Geschäftszahlen deutscher Banken
Der Börse sei Dank

Richtig gut geht es den deutschen Banken natürlich noch nicht. Aber es geht ihnen deutlich besser als zur Jahreswende. Besonders das zweite Quartal 2003 hat sich als erfreulich erwiesen.

Richtig gut geht es den deutschen Banken natürlich noch nicht. Aber es geht ihnen deutlich besser als zur Jahreswende. Besonders das zweite Quartal 2003 hat sich als erfreulich erwiesen. Dank der kräftigen Erholung an den Aktienbörsen und der drastischen Kostensenkungsprogramme der Vorjahre, die jetzt endlich ihre Wirkung entfalten, klingelt es wieder in den Kassen der Kreditwirtschaft. Nicht laut, nur ganz bescheiden, aber immerhin.

Beeindruckend ist das Quartalsergebnis der Deutschen Bank, die in den ersten drei Monaten noch rote Zahlen abgeliefert hatte. Durchaus ermutigend klingen auch die freilich längst nicht so guten Zahlen der Hypo-Vereinsbank, deren Perspektiven noch vor wenigen Monaten eher düster waren. Ähnlich positive Ergebnisse dürfte nächsten Mittwoch die Commerzbank präsentieren. Aktionäre und Aufseher, Banken und Regierung werden erleichtert sein – die befürchtete Notlage, das Wanken eines deutschen Bankriesen, ist ausgeblieben.

Dennoch darf sich die Geldindustrie noch längst nicht entspannt zurücklehnen; nicht nur wegen der anhaltenden Konjunkturflaute. An der Reparatur der alten Strukturprobleme – hohe Kosten, niedrige Margen und Marktzersplitterung – muss weiter mit Hochdruck gearbeitet werden. Die Privatbanken und die genossenschaftliche DZ Bank sind auf diesem Weg schon ein gutes Stück vorangekommen. Aber so manchem öffentlich-rechtlichen Institut steht noch eine Menge Aufräumarbeit bevor.

Wichtig ist jetzt, dass sich die Banken nicht länger nur mit sich selbst beschäftigen, während die internationale Konkurrenz davongaloppiert. Es ist höchste Zeit, dass wieder unternehmerisches Handeln in den Mittelpunkt rückt, also Kooperationen, Fusionen und Übernahmen. Zum Beispiel beim Thema Back-Office: Die im Zuge der Ertragskrise aus Angst vor hohen Abschreibungen im Sande verlaufenen Gespräche über gemeinsame Projekte im Bereich Zahlungsverkehr und Abwicklung brauchen einen neuen Schub. Genau wie die Idee, Filialnetze zusammenzulegen. Wenn die deutsche Kreditwirtschaft international auf Augenhöhe mitmischen will, müssen die Marktanteile deutlich wachsen, und das operative Geschäft muss effizienter werden. Und das geht nur, wenn einzelne Player gemeinsame Sache machen.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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