Gespräch mit Chefentwickler Rod Adkins zur Cebit
Mehrkern-Chips von IBM sollen Verbraucherelektronik erobern

Big Blue will mit seinen Power-Chips auch in die Geräte der Unterhaltungselektronik. In diesem derzeit rasch wachsenden Markt sollen sie als neue Mehrkern-Prozessoren erhebliche Anteile ero

HANNOVER. IBM liefert Chip für Sonys künftige Spielekonsole! Diese Schlagzeile machte vor kurzem Schlagzeilen auf den Technikseiten der Tageszeitungen. Dabei ging es um das so genannte "Cell"-Projekt, in dessen Rahmen IBM zusammen mit den japanischen Elektronikkonzernen Sony und Toshiba einen neuen Mikroprozessor entwickeln, der etwa in der nächsten Generation von Sonys Spielekonsolen eingesetzt werden könnte. Dabei handelt es sich - für Laien verständlicher ausgedrückt - praktisch um einen Supercomputer auf einem einzigen Chip. Dabei geht es um schiere Leistungsstärke - um Computer Power, wie man das auf Englisch ausdrücken würde.

IBM setzt im wahren Sinn des Wortes auf Power, erklärte Big Blue Entwicklungschef Rod Adkins die Situation in einem Gespräch mit dem Handelsblatt im IBM-Labor in Böblingen. In den neuen Cell-Chips kommt die Architektur aus den IBM Power Prozessoren wie sie aus den Apple Macs oder IBM Servern bekannt sind, zum Einsatz, und das in einer Multikerntechnik (multi core) gleich mehrfach gebündelt . Bei dieser Technik werden mehrere Prozessorkerne - beim Cell-Chip acht - auf einem Chip platziert. Bisher hatten Mikroprozessoren in der Regel nur einen Kern. Diesen muss man sich als das eigentlichen Rechenwerk einen Mikroprozessors vorstellen, während die restlichen Komponenten sich mehr um die Prozesstechnik wie etwa Ein- und Ausgabe oder Zwischenspeichern kümmert.

Doch Multikern-Technik ist "in", bestätigt IBMs weltweiter Laborchef Adkins dem Handelsblatt, vor allem in der powerhungrigen Unterhaltungselektronik. Wenn, wie auf der Cebit zu sehen, Computertechnik das Wohnzimmer erobern soll, ist eine Leistung in Media-PCs und Spielekonsolen gefragt, wie sie noch vor kurzem nur in Supercomputern üblich war. Die Echtzeitverarbeitung von stehenden oder bewegten Bildern oder von Musiksequenzen ist unersättlich, wenn es um das Thema Computerleistung geht. Diese soll zunehmend nicht nur aus spezialisierten Grafikchips, sondern aus Standard-Prozessoren mit mehreren Kernen kommen.

Praktisch alle Prozessorhersteller, allen vor Intel und Konkurrent AMD, aber auch Sun Microsystems, bemühen sich daher, in einem neuen Wettlauf der Chiptechnik, ihre Marktanteile zu erobern. Und die Chancen für IBM seien diesmal gut, sagte Adkins, wenn die Karten am Chipmarkt neu gemischt würden. So soll Big Blue auch für Microsofts X-Box einen neuen Superchip entwickeln. Das kann verständlicherweise nicht der Cell-Chip sein, den IBM mit dem Konsolenmarktführer Sony entwickelt. Doch es geht nicht nur um die Konsolen von Videospielen. Noch stärker im Brennpunkt dürften, so Adkins, TV-Settop-Boxen und Media Center stehen, die neue Superchips brauchen. Hier wolle IBM eine wichtige Rolle als Chipentwickler spielen. Dies sei auch eine gute Chance für das IBM Labor in Böblingen, das Adkins zusammen mit den US-Labs Poughkeepsie, Raleigh, Austin, Tucson und Rochester zu den wichtigsten Forschungseinrichtungen des Konzerns zählt.

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