Gewerkschaften
Skandinavien als Modell

HB DÜSSELDORF. Wer die jüngsten Zuspitzungen im Streit zwischen SPD und Gewerkschaften beobachtet und sie im europäischen Maßstab einzuordnen versucht, merkt schnell: Sozial- und gesellschaftspolitisch trennt die Grenze zwischen „altem“ und „neuem“ Europa nicht etwa Ost von West, sondern vielmehr den Norden vom Süden.

Gewerkschaftskollegen etwa aus Dänemark oder Schweden dürften mit einer Mischung aus Verwunderung und Mitleid darauf blicken, wie Bsirske, Peters, Sommer und Co. derzeit die deutschen Gewerkschaften gegen die SPD und die Reformpolitik Gerhard Schröders in Stellung bringen. Sie haben all das, was zurzeit bei uns die Gemüter erhitzt, bereits in den 90er-Jahren hinter sich gebracht und das identitätsstiftende Zentrum ihrer Gesellschaft, den Sozialstaat, durch schmerzliche Eingriffe reformiert – gemeinsam mit der Politik, nicht gegen sie.

Untergegangen sind die Gewerkschaften in Skandinavien dabei nicht. Ganz im Gegenteil: Finnland, Dänemark und Schweden verzeichnen heute bei Arbeitnehmern einen gewerkschaftlichen Organisationsgrad von über 80 Prozent, der wohl Weltspitze sein dürfte und an den deutsche Gewerkschafter (30 Prozent) nicht einmal in ihren kühnsten Träumen zu denken wagen.

Zugegeben: Besonders Schwedens Sozialdemokraten unter Göran Persson mussten für die Leistungskürzungen und strengeren Auflagen für staatliche Leistungen politisch einen ähnlich hohen Preis zahlen – sie stürzten bei den Wahlen 1998 auf ein historisches Tief ab – wie die deutschen Genossen. Und auch in der Regierung des Dänen Nyrup Rasmussen war der Schwenk hin zu einer aktivierenden Sozialpolitik lange Zeit alles andere als ein Selbstläufer. Aber der klassische „Bruderkrieg“ im linken Lager, so wie er sich derzeit zwischen SPD und Gewerkschaften abspielt, hat es in Skandinavien nie gegeben.

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