Gewerkschaften unter Druck
Hardliner oder Reformer

Die Gewerkschaften stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie haben in der Bevölkerung so stark an Ansehen verloren wie nie in den letzten 50 Jahren. Ihre Mitgliederverluste sind dramatisch.

Das ist kein Grund zum Jubel. Die Arbeitnehmer brauchen starke Interessenvertretungen. Was sie nicht brauchen und offenbar auch nicht mehr wollen, sind Gewerkschaften, die so weitermachen wie bisher – als Neinsager und Blockademächte, die keine Antwort wissen auf die Herausforderungen einer global vernetzten Wirtschaft.

Die Gewerkschaften werden nur dann wieder als Interessenvertreter akzeptiert, wenn sie endlich etwas gegen die wachsende Arbeitslosigkeit tun. Das Grundgesetz weist ihnen dabei eine eindeutige Aufgabe zu: die Lohnfindung. Aktuell heißt das für sie vor allem, den Exodus einfacher Jobs ins Ausland zu stoppen, indem sie niedrigere Löhne für Geringqualifizierte zulassen. Werden die Gewerkschaften ihrer Verantwortung nicht gerecht, dürfen sie sich nicht wundern, wenn ihnen die Politik schon bald das Mandat entzieht.

Die IG Metall hat am Wochenende auf ihrem Gewerkschaftstag die Chance, Millionen enttäuschten Arbeitnehmern und der Politik zu zeigen: „Wir haben verstanden.“ Dass sie die wichtige Frage des neuen Vorsitzenden aller Voraussicht nach bereits zu Gunsten von Jürgen Peters entschieden hat, stimmt viele skeptisch. Denn der steht in der Öffentlichkeit eben gerade nicht für den notwendigen Neuanfang.

Umso wichtiger sind die Botschaften, die Peters in seiner Kandidatenrede formulieren wird. Ist er dazu bereit, flexiblere Flächentarifverträge zu akzeptieren? Will er die Bundesregierung auf ihrem Weg einer Reform der Sozialsysteme trotz der notwendigen Einschnitte begleiten?

Ein Signal des Kurswechsels ausgerechnet von dem, der sich als Hardliner profiliert hat, gäbe Anlass zur Hoffnung. Denn gerade auf Grund seines Images hätte Peters die Kraft, das Lager der Traditionalisten für den unumgänglichen Neubeginn zu öffnen. Seinem designierten Vize Berthold Huber, das hat der verlorene Machtkampf der Reformer in der IG Metall bewiesen, fehlt dazu der Rückhalt.

Auf Peters lastet viel Verantwortung. Er kann die Gewerkschaften vollends ins Abseits manövrieren. Oder er kann sie zurückholen in die Mitte der Gesellschaft.

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