GFK
Analyse: Preis der Globalisierung

Am Dienstag verkündeten die Unternehmen TNS und GfK zwar, dass es sich um einen Zusammenschluss auf Augenhöhe handelt. Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache.
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Die Börse jubelt, doch ganz Nürnberg ist schockiert: Durch die geplante Fusion der Marktforscher TNS und GfK verliert die fränkische Metropole erneut ein namhaftes Unternehmen. Das ist für Nürnberg ganz besonders schmerzlich, denn mit der GfK verabschiedet sich ein Konzern, der wirtschaftlich hervorragend dasteht. Noch vor wenigen Jahren war es ganz anders, da sind Nürnberger Firmen wie Grundig langsam in die Pleite geschlittert. Doch die GfK ist kerngesund und in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. Ironie des Schicksals: Nur dadurch wurden die Franken für die britische TNS überhaupt interessant.

Gestern verkündeten die Konzerne zwar, dass es sich um einen Zusammenschluss auf Augenhöhe handelt. Doch die Fakten sprechen eine andere Sprache. Hauptsitz wird London, die Geschäfte soll TNS-Chef David Lowden führen. Selbst den Vorsitz im Aufsichtsrat müssen sich die Deutschen mit den Engländern teilen – und das, obwohl der GfK-Verein größter Aktionär des neuen Unternehmens sein wird. Zu den Verlierern werden vermutlich auch die Mitarbeiter der GfK gehören. Zwar ist noch unklar, wie die Aufgaben künftig verteilt werden. Doch zumindest die Verwaltung in Nürnberg dürfte kräftig gestutzt werden.

Dass die Börse den Deal feiert, liegt auf der Hand. Schließlich hat der neu formierte Konzern gute Voraussetzungen, um schneller zu wachsen als die Vorgänger-Unternehmen auf eigenen Beinen. Das fusionierte Unternehmen kann seine Dienstleistungen auf deutlich mehr Feldern anbieten als GfK und TNS alleine. Dazu kommt, dass die Firma künftig weltweit vertreten ist. Das wird immer wichtiger, weil die Kunden zunehmend rund um den Globus agieren. Sie schätzen es, wenn sie ihre Daten aus einer Hand bekommen können.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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