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Gipfel der Vereinfachung

Ausgerechnet die eher linken Herzensanliegen wie die Hilfe für Afrika und der Klimaschutz bringen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und US-Präsident George W. Bush einander näher. Vor dem G8-Gipfel in Schottland will Schröder den britischen Premier Tony Blair bremsen, nachdem der ausgerechnet diese Themen, bei denen keine zwei der acht mächtigsten Regierungschefs sich einig sind, zum gemeinsamen Projekt der Ersten Welt hochjubeln will.

Schröder versucht sich am Ende seiner Kanzlerschaft als Mittler zwischen Blair und Bush: Nur so viel Klimaschutz, wie Bush ertragen kann, soll ins Gipfelprotokoll. Und beim Thema Hilfe für Afrika unterstützt Bush Schröders Position: Mehr Geld soll nur fließen, wenn die Staaten Afrikas selbst ihre Situation verbessern: indem sie Kriege beenden, die Korruption bekämpfen, die Privatwirtschaft fördern und dabei Fortschritte nachweisen. Für Schröder wird der G8-Gipfel im beginnenden deutschen Wahlkampf allerdings zum Balanceakt. Spätestens mit dem Live8-Konzert vom Wochenende verschaffte sich Blair gerade in SPD-nahen Milieus das Image des großzügigen Retters afrikanischer Kinder vor dem Hungertod. Es ehrt Schröder, wenn er jetzt nicht den Schulterschluss mit Blair, sondern den unpopulären Weg wählt und sagt, dass finanzielle Hilfen allein Afrikas Probleme nicht lösen.

In Staaten im Bürgerkrieg lässt sich selbst mit viel Geld nichts aufbauen. Wo Korruption herrscht, erreichen Hilfsgelder kaum je die Menschen, für die sie gedacht sind. Zu viel Mittel wiederum fördern nur eine Subventionsmentalität, die Hilfsgelder zur Bedingung für Eigeninitiative macht. In Ghana lassen sich Ansätze davon beobachten. Dort drängen Hilfsorganisationen in das relativ stabile Land, seit dessen Nachbarstaaten Elfenbeinküste und Togo in bewaffneten Konflikten versinken. Auf der Suche nach einem gemeinsamen Projekt sollte die G8 statt über Entwicklungshilfe lieber über Handelserleichterungen reden. Auf diesem Feld hat die G8 Gestaltungsmacht. So könnte sie Afrika wirklich helfen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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