Globalisierung
Nötige Denkanstösse

Wer sich von dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole neue Erkenntnisse für die Zinsentwicklung in den nächsten Monaten erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Fed-Chef Ben Bernanke und seine Kollegen haben es ganz bewusst vermieden, den Finanzmärkten einen Fingerzeig auf ihre nächsten Schritte zu geben. Zum einen, weil der Ferienort in den Rocky Mountains kaum die richtige Kulisse dafür ist, die Märkte zu bewegen. Zum anderen, weil zumindest die Zentralbanker in Amerika selbst nicht wissen, wohin die Reise geht. Die Debatte, ob die Inflations- oder Wachstumsrisiken überwiegen, ist noch im vollen Gange.

Dennoch war das Treffen in Jackson Hole nützlich. Insbesondere der Aufruf der Notenbanker, die Globalisierung fortzusetzen und den freien Welthandel zu verteidigen, kommt zur rechten Zeit. Nach dem vorläufigen Scheitern der Welthandelsrunde von Doha können die Befürworter einer globalen Marktöffnung jede Unterstützung gebrauchen. Zwei Denkanstöße lassen sich aus dem „Brainstorming“ in den Bergen mitnehmen: Die Früchte der Globalisierung müssen besser verteilt werden, und die globale Wirtschaft hat den Job der Notenbanker zugleich leichter und schwieriger gemacht.

Während die Forderung nach besserer Verteilung sofort einleuchtet und deshalb auf breite Zustimmung stoßen dürfte, ist der zweite Gedanke erklärungsbedürftig. Einfacher ist die Aufgabe der Notenbanken deshalb geworden, weil die Globalisierung den Wettbewerb auf den Arbeits- und Produktmärkten erhöht und somit den Inflationsdruck gemindert hat. Schwieriger ist der Job der Währungshüter, weil Länder wie China als neue Nachfrager auf den Energie- und Rohstoffmärkten auftreten und die Preise in die Höhe treiben. Unterm Strich, und das sollte die Botschaft bleiben, überwiegen die positiven Effekte.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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