Goldman Sachs Superstar
Bewundert und gehasst

Die Welt leidet unter dem Einbruch der Produktion und ächzt unter der Schuldenlast, die die Finanzkrise hinterlassen hat. Aber Goldman Sachs, das Symbol für die Branche der Investmentbanken, ist längst wieder obenauf. Und zieht Hass auf sich.
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LONDON. Kann man zu erfolgreich sein? Wenn man Lloyd Blankfein heißt und die beste Investmentbank der Welt leitet, schon. Blankfeins Arbeitgeber Goldman Sachs verdient wenige Monate nach dem Beinahekollaps des gesamten Finanzsystems bereits wieder so viel Geld, dass sich Kritiker rund um den Globus fragen, ob an der Wall Street nicht ein Monster haust, das man dringend in Ketten legen sollte.

Was den Fall Goldman so unheimlich, aber auch so interessant macht, ist die Tatsache, dass die Bank für all die verzerrten Werte, Sünden und Laster zu stehen scheint, auf die sich die große Krise am Ende zurückführen lässt. Aber gleichzeitig ist klar, dass die Goldman-Banker trotz aller unverhohlenen Profitgier keine konkrete Schuld an den Ereignissen tragen, die die Wirtschaftswelt erschütterten. Im Gegenteil - keine Bank hat so viel richtig gemacht und tauchte so schnell und so erfolgreich wieder aus den Untiefen der Krise auf.

Diese Dialektik ist der Grund für die merkwürdige Mischung aus Bewunderung, Ehrfurcht, Angst und Abscheu, mit der das Wall-Street-Haus von Politikern, Regulierern und vor allem von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wird. "Räuberbarone", "Vandalen" und "Geier" gehören noch zu den harmloseren Vergleichen, die die Bank in den vergangenen Wochen über sich ergehen lassen musste. Für das US-Magazin "Rolling Stone" ist Goldman schlicht eine "Vampirkrake".

Erbitterte Diskussion um die Legitimation der Goldman-Gewinne

Noch fällt es den erfolgsverwöhnten Wall-Street-Bankern schwer zu verstehen, in welchen Sturm sie da geraten sind. Aber vermutlich ahnen sie inzwischen: Der öffentliche Zorn könnte am Ende dazu führen, dass Politiker und Regulierer die strikt leistungs- und bonusorientierte Kultur einer Investmentbank zerstören, von der selbst viele ihrer Kunden glauben, dass sie ohne Scham nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist.

Allerdings nimmt die Klientel das offenbar billigend in Kauf, sonst wäre sie schon lange zur Konkurrenz übergelaufen. Wahrscheinlich vertrauen sich Unternehmen mit ihren Finanzierungsproblemen lieber einer Bank an, die bewiesen hat, dass sie ihre eigenen Risiken managen kann, als einem Institut, das unter den Schutzschirm des Staates oder die Fittiche eines Konkurrenten flüchten musste.

Jenseits aller Polemik zeigt die erbitterte Diskussion um die ökonomische und ethische Legitimation der Goldman-Gewinne, dass die Frage noch zu klären ist, ob es in der künftigen Finanzordnung einen Platz für reinrassige, aggressive Investmentbanken geben kann. Immerhin ist Goldman so groß und vor allem so vernetzt, dass ein Kollaps ein Beben an den Märkten auslösen würde, gegen das selbst die Pleite von Lehman Brothers wie ein sanftes Rumpeln wirken würde.

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Kommentare zu " Goldman Sachs Superstar: Bewundert und gehasst"

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  • Der Mann macht wie alle leitenden Angestellten seine Arbeit - nur im Vergleich zur Konkurrenz etwas besser, was hauptsächlich daran liegen mag, daß die eigenen Ressourcen, sprich Personal und know how, effezienter zu nutzen sind. Die Vorlage zum fixen Geldmachen im großen Stil kam wieder einmal von Väterchen Staat, der c/o FED Liquidität umsonst und im Übermaß zur Verfügung stellte und gleichzeitig bilanzregeln außer Kraft setzte. Auf diese Weise kann jeder idiot Geld bis zum Umfallen machen. Daß andere nicht dazu kamen, lag wesentlich daran, daß sie zu lange nachdachten, was zu tun sei. Trennbankensystem oder nicht, ist kaum die Frage, sondern eher Regel und Ausnahme und Toröffnung für kluge Profis. Das kann man G&S und Co. nicht ganz allein anhängen, die folgten nur den Wegweisungen von Geithner und bernanke.

  • Goldmann Sachs - der inbegriff von Lüge, Korruption, Manipulation und Menschenverachtung......
    Doch spätestens am "Ende der Zeit" wird abgerechnet.......

  • >Noch fällt es den erfolgsverwöhnten Wall-Street-bankern schwer zu verstehen, in welchen Sturm sie da geraten sind. Aber vermutlich ahnen sie inzwischen: Der öffentliche Zorn könnte am Ende dazu führen, dass Politiker und Regulierer die strikt leistungs- und bonusorientierte Kultur einer investmentbank zerstören, von der selbst viele ihrer Kunden glauben, dass sie ohne Scham nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist<:

    Die britische Regierung hat in einem einmaligen Akt angekündigt, die boni der banker mit 50 Prozent zu besteuern. Der Aufschrei in der City of London war gross. Auch Frankreich hat bereits ähnliche Massnahmen angekündigt und in Deutschland versuchen die banken mit einer gemeinsamen Selbstregulierung, den Politikern noch schnell zuvor zu kommen. "Eine
    erbitterte Diskussion um die Legitimation der Goldman-Gewinne" sollte wenigstens auch hier die 50 prozentige bonibesteuerung zum Ziele haben... aber dagegen stehen ausgezeichnete Querverbindungen zur US-Politik.

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