Goldman Sachs und Morgan Stanley
Offenbarungseid der Investmentbanken

Das war's dann, der Letzte macht das Licht aus. Mit Goldman Sachs und Morgan Stanley verschwinden jetzt auch noch die beiden verbliebenen großen Investmentbanken von der Wall Street. Sie sind auf einmal ganz normale Banken, eine Ära geht zu Ende. Und das ist gut so.
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Das war's dann, der Letzte macht das Licht aus. Mit Goldman Sachs und Morgan Stanley verschwinden jetzt auch noch die beiden verbliebenen großen Investmentbanken von der Wall Street. Die beiden Traditionshäuser geben ihr Geschäftsmodell als Spezialisten für den Handel mit Wertpapieren und die Beratung von Fusionen und Börsengängen auf und verwandeln sich in ganz ordinäre Universalbanken.

Das ist das größte Beben an der Wall Street seit der Großen Depression Anfang der 30er-Jahre. Aber was wir derzeit erleben, ist mehr als das Ende einer Ära, es ist der Offenbarungseid einer ganzen Branche. Die Notoperation erspart Goldman und Morgan Stanley zwar (hoffentlich) das Schicksal des kollabierten Konkurrenten Lehman-Brothers. Aber ein Zeichen der Hoffnung setzt die Umwandlung deshalb noch lange nicht. Sie nährt vielmehr den Verdacht, dass auch beim vermeintlich grundsoliden Urgestein der Wall Street die Fundamente schon gefährlich weit unterhöhlt waren.

Das Geschäftsmodell der großen Investmentbanken ist damit endgültig wie eine Seifenblase geplatzt. Die Investoren trauen dem Prinzip, mit kurzfristig geliehenem Geld große langfristige Wetten einzugehen, nicht mehr über den Weg, und das gilt inzwischen ganz offensichtlich auch für die Elite der Branche. Reinrassige Investmentbanken müssen derzeit an den Märkten noch viel höhere Risikoaufschläge für ihre Refinanzierung bezahlen als Universalbanken. Dank der exorbitanten Risikoprämien rechnet sich das Modell von Goldman & Co. schlicht nicht mehr, und das Vertrauen in die Branche ist derart nachhaltig erschüttert, dass jede Hoffnung auf eine kurzfristige Besserung der Lage utopisch ist.

Mit der Umwandlung in Universalbanken haben Goldman und Morgan Stanley im Überlebenskampf noch die eleganteste Lösung gewählt. Die Operation sichert den beiden dauerhaft den Zugang zur vergleichsweise günstigen und vor allem sicheren Refinanzierung über die Zentralbank. Außerdem können die Banken jetzt versuchen, Zugang zu Privatkundengeldern zu bekommen. Entweder, indem sie sich an eine Universalbank verkaufen, selbst eine übernehmen oder eigenes Einlagengeschäft aufbauen.

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