Golfstaaten
Das Dollar-Dilemma

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Die Ölstaaten am Persischen Golf stecken in einem Dilemma: Sollen sie die über Jahre verteidigte Koppelung ihrer Währungen an den Dollar aufgeben oder nicht? Die Talfahrt des Greenbacks beschert den Scheichs immer größeres Kopfzerbrechen. Denn sie haben Milliardenwerte in den USA investiert, die nun immer weniger wert sind. Bedenklicher jedoch ist, dass die Kosten für Importe rasant steigen. Die Inflation in den Golfstaaten erreicht inzwischen Rekordniveaus und führt zu erheblichen Spannungen in den Volkswirtschaften. Schwer unter Druck geraten ist bereits das Projekt für eine gemeinsame Währung der Golfanrainer.

Anfang Dezember treffen sich die Finanzminister der im Golfkooperationsrat zusammengeschlossenen sechs Staaten in Doha, um Strategien im Umgang mit dem schwachen Dollar zu beraten. Bislang hat allein Kuwait die strikte Bindung an den Dollar gelöst. Jetzt denken aber auch Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate oder Katar darüber nach, ihre feste Kopplung an die US-Währung zugunsten eines Währungskorbes aufzugeben. VAE-Zentralbankchef Sultan Nasser Al Suweidi spricht von einem kritischen Punkt, an dem sich die Region befinde.

Doch einen radikalen Schritt dürften die sechs Finanzminister wohl kaum wagen. Sie können es weder aus eigenem Interesse noch aus Rücksicht auf das Weltwährungsgefüge verantworten, den Dollar auf eine noch steilere Talfahrt zu senden. Das würde Schockwellen rund um den Globus auslösen. Insofern geht von ihrer Entscheidung eine viel beachtete Signalwirkung aus. Denn auch andere Staaten wie China oder rohstoffexportierende Schwellenländer sitzen auf Bergen von Dollar, deren Wert allmählich schwindet. Möglicherweise belassen es die Staaten daher zunächst bei einer Wechselkursanpassung. Das aber dürfte nur ein erster Schritt in Richtung auf eine größere Autonomie in ihrer Währungspolitik sein.

Die Golfstaaten, die ihre Währungen einst an den Dollar gebunden haben, um einen sicheren Anlagehafen für die satten Gewinne aus der Ölförderung anzusteuern, profilieren sich immer stärker mit neuen Wirtschaftsstrukturen, die ihnen eine Zukunft nach dem Öl verheißen. Insbesondere die VAE und Katar setzen auf eine stetige Diversifizierung, für die sie Milliardensummen aus den Petrodollar investieren. Schon vor dem 11. September 2001 haben arabische Investoren beträchtliche Mittel in den Ausbau ihrer Infrastruktur gesteckt. Und danach zogen sie aus Misstrauen gegenüber der US-Politik Milliarden aus den USA ab. Zurzeit schwemmt die Ölpreishausse den GCC-Staaten alle 24 Stunden mindestens 1,4 Milliarden US-Dollar in die Staatskassen.

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