Google-Geschäft
Alles hängt an Motorola

Selbstfahrende Autos, Datenbrillen, Hochgeschwindigkeits-Internet: Google stößt in etliche neue Geschäftsfelder vor. Das könnte allerdings sehr kostspielig werden – und ein Erfolg ist nicht garantiert. Ein Kommentar.
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San FranciscoGoogles Zukunft gehört auch der Hardware. Das hat Mitgründer und Firmenchef Larry Page wiederholt angedeutet, aber noch nie so konkret wie bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen Ende der vergangenen Woche. Fahrerlose Autos, Datenbrillen oder Hochgeschwindigkeits-Internet, lange als eher beiläufige Entwicklungen heruntergeredet, stehen auf einmal im Zentrum. Ein Grund zur Besorgnis?

Durchaus. Google ist ein bis in die Wolle durchgefärbtes Internet-Unternehmen. Den ersten Flop hat sich Page schon geleistet. Das Wohnzimmer-Gerät Nexus Q ist grandios gescheitert. Auf der Entwicklerkonferenz 2012 mit großem Tamtam angekündigt, wurde das Media Center noch vor dem Marktstart wieder eingestampft. Zu teuer, nicht durchdacht, zu wenig Leistung. Auch die Settop-Box Google TV, gefertigt von Sony oder LG, ist alles andere als ein Erfolg.

Nexus Q oder Google TV waren aber billige Vergnügen verglichen mit dem, was noch kommen wird. Die 12-Milliarden-Dollar-Investition Motorola Mobility fährt noch immer Verluste ein. Jetzt träumt Page von wasserfesten und unzerbrechlichen Smartphones mit langer Batterielaufzeit. Es besteht kein Zweifel, dass er so etwas von der eigenen Handy-Tochter erwartet und nicht von Apple.

Schnelles Breitband-Internet will Google laut Verwaltungsratschef Eric Schmidt jetzt als „ernstes Geschäftsmodell“ betreiben. Das Unternehmen wird jedoch nach Analystenmeinung mindestens elf Milliarden Dollar investieren müssen, um nur in eine Größenordnung vorzustoßen, die sich lohnen könnte. Und das fahrerlose Auto ist von der Markteinführung noch Jahre entfernt.

Aufhorchen lassen da Äußerungen von Page, dass er Geschäftsfelder suche, die „größer sind als unser gesamtes Geschäft“, mithin größer als 14 Milliarden Dollar im Quartal. Und nach allem was zu hören ist, sucht er nicht mehr im Online-Geschäft.

Ist bei Suche und Werbung die Luft raus? Das Geschäft mit den Klicks beschert dem Konzern fast den gesamten Umsatz und wächst noch, aber die Preise mit Online-Werbung gehen seit Quartalen zurück.

Sind Grenzen des Wachstums in Sicht, ist Page ein guter Chef, wenn er rechtzeitig nach neuen Jagdgebieten sucht. Allerdings ist das Hardware-Geschäft mit starken Gegnern besetzt, und es wird mit messerscharfen Margen gekämpft.

Auf Motorola Mobility kommt es an. Nur wenn Page es schafft, aus dem Verlierer des Smartphone-Booms einen Gewinner zu machen, der Apple und Samsung Paroli bieten kann, wird man ihm glauben, dass er selbst den Internetzugang- oder Automarkt wird aufmischen können. Mithin Märkte, die noch größer sind als sein Online-Imperium.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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