Google
Globales Wissen

Google ist zum Synonym für die Bedrohung geworden. Verlage, Händler und Autoren fürchten die Online-Bibliothek des amerikanischen Internetgiganten.

Schließlich hat Google bereits Hunderttausende von Büchern digital erfasst und zum Durchsuchen ins Internet gestellt. Mit ihrer Online-Bibliothek gefährdet der Konzern das geistige Eigentum und damit die Buchbranche. Das Urheberrecht ist das Herzstück des Verlagsgeschäfts. Wenn daran gerüttelt wird, könnte es der Printbranche ähnlich ergehen wie der Musikbranche. Das illegale Herunterladen von Liedern und Kompositionen hat die Musikfirmen in schwere Bedrängnis gebracht. Heute sind die Musikunternehmen weltweit so etwas wie der kranke Mann der Medienbranche.

Die Verlagsbranche hat das Beispiel der Musikindustrie genau studiert. Doch Lehren hat sie daraus nur sehr eingeschränkt gezogen. Während die Unternehmen noch diskutieren, wie eine Volltextsuche im Internet auf eine wirtschaftlich sinnvolle Art organisiert werden kann, macht Google bereits Nägel mit Köpfen. Die weltgrößte Suchmaschine erfasst online ganze Bibliotheken. Einige Universitäten wie Oxford, Harvard oder Complutense in Madrid machen dabei mit. 15 Millionen Bücher sollen bis zum Jahr 2015 gratis im Netz angeboten werden. Auch Bücher, deren Copyright noch nicht abgelaufen ist, sind darunter. Verlage haben dagegen rechtliche Schritte eingeleitet.

Doch so leicht lässt sich Google nicht stoppen. Der Konzern, der vor allem bei jungen Internetnutzern seit Jahren Kultcharakter besitzt, ist geschickt. Das Einscannen von Büchern für das Internet wird von Google als Unterstützung für die Buchbranche angepriesen. Die Online-Suche nach Texten sei schließlich eine Gratisreklame für das Buch und fördere den Verkauf, wehrt sich das Unternehmen gegen Anfeindungen. Tatsächlich ist die Online-Bibliothek eine Art intelligenter Diebstahl. Wer einen Aufsatz oder ein Fachbuch kostenlos und rund um die Uhr online beziehen kann, wird nicht seinen Computer abstellen, um anschließend in die nächste Buchhandlung zu eilen. Der physische Besitz eines Buches wird im digitalen Zeitalter immer unwichtiger.

Google tarnt seine knallharten Geschäftsinteressen raffiniert. Nach außen hin beteuert der Konzern nur, möglichst viele Nutzer auf die eigenen Seiten zu locken. Doch in Wahrheit greift Google das bisherige Geschäftsmodell der Verlage an. Der Schutz des Urheberrechts ist für die Branche von essenzieller Bedeutung. Ein Missbrauch bedroht daher die Grundfesten der Unternehmen. Google sucht derzeit nach einem strategischen Ausweg, um als klassische Suchmaschine die Abhängigkeit vom Online-Werbemarkt zu verringern. Eine Internetbibliothek ist in diesem Zusammenhang ein interessantes Werkzeug, um die eigene Marktposition zu verbessern. Die Buchbranche reagiert auf den Angriff bisher eher hilflos. Zuletzt stellte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf der Frankfurter Buchmesse eine eigene Datenbank vor. Hier können Verlage selbst bestimmen, wann und in welchem Umfang sie Buchtexte online stellen. Der Angriff Googles auf das Gutenberg-Zeitalter kann aber dauerhaft nur abgewehrt werden, indem die Rechte von Verlagen und Autoren besser geschützt und Missbräuche härter bestraft werden. Doch noch gilt die unerlaubte Digitalisierung von Inhalten als Kavaliersdelikt.

Wer derzeit Inhalte aus Büchern auszugsweise ins Internet stellt, geht in Deutschland noch weitgehend straffrei aus. Keine Sanktionen wegen Schnipsel, hieß zuletzt die Quintessenz eines Rechtsstreits zwischen Google und der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt. Vergeblich wollte der traditionsreiche Verlag verhindern, dass ganze Buchpassagen von Google ins Netz gestellt werden. Das kulturelle Erbe des Gutenberg-Zeitalters möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen ist wichtig und richtig. In den vergangenen Jahrhunderten haben diese Aufgabe Universitäten, Klöster und andere Institutionen übernommen. Die Vielfalt und der Wettbewerb des gedruckten Wissens haben allen genutzt. Im digitalen Zeitalter droht nun die Monopolisierung durch Google. Das Duell zwischen Google und den Verlagen ist nichts anderes als der Konflikt um die Welt-Bibliothek. Sollte es dem schnell wachsenden Konzern aus dem kalifornischen Mountain View gelingen, in wenigen Jahren weltweit alle Bücher in einer digitalen Bibliothek zu erfassen, hätte das unübersehbare Folgen. Für Google wäre es das Fundament für ein glänzendes Geschäft. Aber für die Verlage wäre es die Bedrohung ihrer Existenz. Sollte Google siegen, wären die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Folgen unabsehbar.

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