Gourmet
Glosse: Chirac hat Recht

Was hat die britische Presse dagegen, dass der französische Staatschef die Wahrheit sagt? Jacques Chirac hat festgestellt, dass Großbritannien „nach Finnland das Land mit dem schlechtesten Essen“ sei. Gut, er hätte sich die überflüssige Beleidigung der Finnen sparen können, die in kulinarischer wie allgemeiner Hinsicht unaggressiv sind.

Aber davon abgesehen muss man ihm einfach zustimmen. Und für seinen treffenden Scherz, der einzige Beitrag der britischen Insel zur Landwirtschaft habe im Rinderwahnsinn bestanden, gehört ihm sogar der Orden wider den tierischen Ernst verliehen. Mindestens. Wenn nicht der Karlspreis.

Die britischen Medien, sonst immer für einen derben Ulk gut, geben sich plötzlich ganz etepetete und warnen vor einem Tiefpunkt der britisch-französischen Beziehungen. Was soll dieser ehrpusselige Unfug? Fliehen die Briten etwa nicht in Scharen vor Fish and Chips, Industriekäse und zähem Fleisch mit Hilfe einer ganzen Armada von Billigfliegern aus ihrer Heimat, um in Frankreich unterzutauchen und dort Carré d’agneau, Morue à la biscayenne oder eine schlichte Foie gras zu genießen, begleitet von einem der unvergleichlichen Weine, die niemand anders als die Engländer berühmt gemacht haben?

Oder wollen sie uns etwa weismachen, diese Emigration, die schon zu einem bedenklichen Anstieg der Bodenpreise im französischen Midi geführt hat, sei der Liebe zu Land und Leuten geschuldet?

Gut, wir lassen uns von den britischen Tabloids auch nicht gerne an Sauerkraut und Bockwurst erinnern oder daran, dass wir alle Hunnen sind. Aber deshalb müssen die Briten ja nicht gleich selber den Humor verlieren. Wo Chirac Recht hat, hat er Recht.

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