Griechenland
Eine durch und durch liederliche Politik

Griechenland darf nicht länger darauf hoffen, dass die EU es im Zweifel schon vor einem finanziellen Kollaps bewahren wird. Es wäre langfristig gut für die Euro-Zone, wenn Griechenland kurzfristig vor die Wand fährt.
  • 6

Als der Wittelsbacher Otto I. 1832 zum ersten König von Griechenland gekrönt wurde, fand er eine völlig leere Staatskasse vor. Seine Soldaten musste der Monarch aus Bayern mitbringen und selbst besolden, Geld verschaffte er sich mit Hilfe der Gebrüder Rothschild über eine riesige Anleihe.

Seitdem hat sich in Griechenland eigentlich nicht viel geändert. Die Staatsfinanzen erweisen sich als Dauerdesaster, die Wirtschaft findet kein nachhaltiges Gleichgewicht, die Politikerkaste verfrühstückt die Zukunft des Landes. Den Beitritt zur Euro-Zone erschlichen sich die Griechen mit gefälschten Daten. Und nun vertrauen sie (wieder einmal) auf die Solidarität ihrer Nachbarn.

Europa sollte sich nicht erpressen lassen. Die Griechen dürfen nicht länger darauf hoffen, dass wir sie im Zweifel schon vor einem finanziellen Kollaps bewahren. Einer der größten Fehler des früheren Bundesfinanzministers Peer Steinbrück war es, den Griechen einen solchen „bail-out“ in Aussicht zu stellen.

Sein Nachfolger Wolfgang Schäuble sollte klarmachen, dass sich die Bundesregierung nicht mehr an dieses Versprechen gebunden fühlt. Der Druck an den Finanzmärkten muss noch deutlich steigen, um eine Verhaltensänderung in Griechenland zu erzwingen.

Vergessen wir nicht: Selbst mit den heutigen Risikoaufschlägen zahlen die Griechen für ihre Staatsanleihen deutlich weniger als vor ihrem Beitritt zur Währungsunion. Bisher bekommt das EU-Land die Folgen seiner liederlichen Politik noch gar nicht zu spüren. Das sollte sich ändern. Es wäre langfristig gut für die Euro-Zone, wenn Griechenland kurzfristig vor die Wand fährt.

Kommentare zu " Griechenland: Eine durch und durch liederliche Politik"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sehr geehrtes Handelsblatt-Team,

    ich nehme ihren heutigen Artikel

    gerne zum Anlass um einige kritische Anmerkungen beizusteuern, die mir in den vergangenen Tagen, als

    kritischen beobachter der aktuellen berichtserstattung über die “Finanzmisere”

    Griechenlands gewissermaßen “schwer auf meinem Herzen liegen”: Man kann

    sich als Leser insbesondere der angelsächsischen und bundesdeutschen

    Wirtschaftspresse nicht des Eindruckes erwehren, dass inzwischen die Grenze der

    “konstruktiven Kritik” an der Wirtschaftspolitik Griechenlands schon lange überschritten worden ist,

    und gewissermaßen ein Maß einer “Hysterie” angenommen hat, wenn man sich als interessierter Leser in den unweiten des digitalen Kosmos begibt. Längst wird man als Hellene in diversen Foren und Artikeln quasi als “EU-Schmarotzer” dargestellt, Kommentare “unter der Gürtellinie”, selbst von der Fachpresse, sind an der Tagesordnung. Mit großer Verwunderung musste ich feststellen, dass selbst der Chefredakteur des

    Handelsblatts in einem Kommentar, in dem er selbst den Wittelsbacher Otto i. bemühte, um sich als großen

    Kenner der griechische Geschichte erkennen zu geben, in einer arroganten, man könnte sagen, dekadenten Art, uns weismachen wollte, dass jenes Land Griechenland seit jeher “pleite gewesen sei” und sich an jenem

    Zustand auch bis zur Gegenwart nichts verändert habe, so der Tenor des Artikels. Nun offensichtlich ist es ihrem

    “Chefhistoriker” beim Handelsblatt, Herrn Ziesemer, offensichtlich entgangen, dass der junge Staat Griechenland im Jahre 1832 gerade 500 Jahre Knechtschaft

    unter dem Osmanenjoch hinter sich hatte, aber das spielt natürlich keine Rolle, wenn man eine vorgefertigte Meinung verkünden will.

    im Übrigen zeugt es auch nicht von professioneller Recherche, wenn das Handelsblatt nicht einmal den aktuellen griechischen

    Ministerpräsident von dem russischen Aussenminister unterscheiden kann,sondern bestätigt eher meinen Verdacht.

    (vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/international/griechenland-parteichefs-beraten-ueber-schuldenkrise;2497200)

    Kritik ist sicherlich berechtigt und nötig. bitte aber mit einer gewissen kritischen Distanz, und nicht in Form

    einer “Antihellenischen-Kampagne”.

    Hochachtungsvoll

    Kosmopolit

  • Was ich befürchte ist, dass die Griechen sich überhaupt nicht um die EU-Wünsche scheren und ihre Schulden weiter explodieren lassen. Mit der stillen "Gewissheit" im Kopf, dass im Falle der Pleite Deutschland und andere EU-Länder mithaften. Griechenland hat sich bereits die Mitgliedschaft im Euroraum durch falsche Zahlen erschlichen. Konsequenzen? Null. Ein griechischer bankrott müssen dann eben die anderen schultern. Und die Erfahrung zeigt: das werden sie machen. Leider.

  • @Rosemarie
    Es kann nicht ständig über die Verhältnisse gelebt werden ! Aufstände hin oder her. Andere Völker können auch nicht sagen: wir erpressen die Politik mit Gewalt auf der Straße. Hier muß von seiten Europas ein ganz klares Wort an die Leute direkt erfolgen: So nicht ! Wenn ihr besser leben wollt, dann erfindet mehr, macht mehr, arbeitet mehr. Wenn ihr das nicht wollt oder könnt, dann schränkt euch ein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%