Griechenland Kosten für zweiten Schuldenschnitt sind vertretbar

Die Staatsverschuldung muss schneller abgebaut werden als geplant. Sonst sind alle Bemühungen um eine Belebung der griechischen Wirtschaft vergebens. Daher kann nur ein zweiter Schuldenschnitt helfen.
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Gerd Höhler

Der Autor ist Handelsblatt-Korrespondent in Griechenland.

Zwei Rettungspakete haben die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds bereits für Griechenland geschnürt, 240 Milliarden Euro stehen insgesamt bereit. Davon wurden bisher knapp 150 Milliarden ausgezahlt. Doch viel bewirkt haben die Gelder nicht. Das Land rutscht immer tiefer in die Rezession, fast ein Fünftel seiner Wirtschaftsleistung hat es seit Beginn der Krise schon eingebüßt. Das Ziel, bis 2014 das Haushaltsdefizit unter die Dreiprozentmarke zu drücken, wird angesichts der schwachen Konjunktur immer illusionärer.

Hinter den Kulissen wird deshalb bereits über die Notwendigkeit eines dritten Hilfspakets diskutiert. Kein Wunder, dass vielen Griechenland wie ein Fass ohne Boden vorkommt. Die Vorstellung, die Hilfskredite versickerten einfach, ist allerdings falsch. Der Großteil der Gelder, mehr als 70 Prozent, kommt gar nicht erst in Griechenland an. Er dient dazu, Zinsen zu zahlen und fällige Kredite zu tilgen. Allein in den letzten fünf Monaten dieses Jahres muss das Land für Zinsen und Tilgung 16,4 Milliarden Euro aufbringen. Im Jahr 2017, wenn die Rückzahlung der Hilfskredite begonnen hat, werden sogar 62,4 Milliarden für den Schuldendienst fällig. Das entspricht 31 Prozent des aktuellen Bruttoinlandsprodukts.

Die Debatte um einen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland geht weiter. Quelle: dpa

Die Debatte um einen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland geht weiter.

(Foto: dpa)

Die Antwort auf die Malaise liegt deshalb nicht in weiteren Hilfsgeldern. Sie würden den Griechen nur neue Schulden aufbürden. Das ohnehin bereits sehr ambitionierte Ziel, die Verschuldung Griechenlands von derzeit 163 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2020 auf 120,5 Prozent zu drücken, würde damit vollends außer Reichweite geraten. Griechenland muss runter von den Schulden. Sonst sind alle Bemühungen um eine Konsolidierung der Staatsfinanzen und die Wiederbelebung der siechen Wirtschaft zum Scheitern verurteilt.

Der Schuldenschnitt war politisch gewollt
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12 Kommentare zu "Griechenland: Kosten für zweiten Schuldenschnitt sind vertretbar"

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  • Es GIBT eine Alternative !! Wahlalternative 2013!

    Endlich haben sich eine große Zahl von Wissenschaftlern und anderen Personen der Öffentlichkeit zusammengeschlossen. Sie gründen keine neue Partei, sondern bilden nur ein Bündnis, mit dem sie eine andere (neue) Partei unterstützen werden, die sehr ähnliche Ziele, aber weniger bekannte und engagierte Unterstützer hat. Diese andere Partei heißt "Freie Wähler". Sie ist z.Zt. die einzige Partei, die offen für ein Ende der Rettungspolitik eintritt.
    Es haben sich eine Menge namhafter Personen angeschlossen. Nicht alle werden Euch sympathisch sein - mir geht es genauso. Aber mir geht es darum, eine wirkliche Alternative zur jetzigen Politik aufzuzeigen und der Lüge, dies alles sei alternativlos, endlich ein Ende zu bereiten. Und diese Leute verstehen alle etwas vom Fach, es sind also keine Taxifahrer, Grundschullehrer, Dachdecker o.ä.
    Übrigens treten sie nicht nur mit ihrer Kritik an. Vielmehr haben sie eine eindrucksvolle Alternative formuliert, die mir auch praktikabel erscheint.
    Ich bin ziemlich erleichtert, dass es nun etwas in der Wahllandschaft gibt, wofür es sich wirklich einzutreten lohnt und habe mich als Unterstützer eingetragen:
    www.wa2013.de

  • Das Handelsblatt plädiert mit ihrem Autor Gert Höhler für einen zweiten Schuldenschnitt, damit Griechenland seine Schulden schneller los wird.

    Diesmal sollen private Gläubiger geschont, geschützt werden. Wozu sonst haben denn CDU, CSU, FDP, SPD und die Grünen sich für „Rettungsmaßnahmen“ für die hauptsächlichen Gläubiger so ins Zeug gelegt?

    Gesellschaftliche Gläubiger sollen diesmal bluten. Gert Höhler meint, für sie seien die Belastungen überschaubar und vertretbar. Was auch alle Einwohner der Euroländer trifft, die am Verschuldungsgeschehen nur indirekt beteiligt sind.

    Der gebotene Abbau der griechischen Schulden durch effektive Einkommensteuern sind für ihn wahrscheinlich Teufelszeug.

  • PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!

    Es muß erlaubt sein, zu widersprechen:
    Nein, ein zweiter Schuldenschnitt ist nicht vertretbar!

    Auch ist es nicht an der Zeit, mit statischen statt der korrekten dynamischen Zahlenspielchen Schindluder zu treiben. Es steht Europas Jugend auf dem Spiel, die hier entwicklungsgeschichtlich in das vorvorige Jahrhundert katapultiert werden soll (Wie anders, als durch überspitzte, überzogene Kommentare und Äußerungen, die wie selbstverständlich zunehmender Radikalität ihren Tribut zollen, kann denn hier geantwortet werden? - Sachverstand scheint gänzlich ungefragt.)
    Wenn eine Staatsverschuldung (grr..) in Monatsfristen 10% häppchenweise zunehmen (explodieren triffts auch hier radikaler), wo sind sie dann mathematisch in einem Jahr?
    Nur bei umgekehrt proportionaler Denkungsweise sind alle wieder auf einem Zehntel des Ausgangswertes.
    2017: Dieses Jahr wird hier genannt! Welch ein Hochmut, welch ein Hohn! Dem stehen aber historisch geformte, will fast sagen "genormte", Abläufe von Staatsbankrotten der Geschichte gegenüber.
    Gewöhnungsbedürftig ist es allenfalls, bisher die gefälschten Zahlen aus Athen lesen zu müssen, nun stammen sie aus den Redaktionsräumen deutscher Zeitungsmacher.

    Der Wahrheit die Ehre!
    Wenn eine Notenbank einem Rettungsfonds Schuldpapiere weiterreicht, so resultiert nur im Geiste Mega-Krimineller daraus das Recht, erneut Kredite an einen Bankrotteur auszuzahlen. - Und dies muß (!) bis in die Tiefen des Stammhirns eines Wirtschaftsredakteurs hinein.
    Ob er will, oder nicht.
    OH TEMPORA, OH MORES!

  • Auch wenn es dem wahrscheinlich betont Besser-verdienerfreundlichen Autor des Artikels nicht passt, sollte man vielleicht erst einmal darüber nachdenken,
    beim oberen griechischen Einkommensdrittel die 50 Milliarden Euro jährliche Steuerhinterziehung einzutreiben, die dieses Klientel hinterzieht. Dann bräuchte es keine Wegschlachtung der Zukunft breiter
    griechischer Bevölkerungsschichten, keine konjunkturschlachtenden Sparmassnahmen in Griechenland
    und keinen erneuten Schuldenschnitt für Griechenland zu Lasten des Deutschen Steuerzahlers. Aber das ist in einer Zeit, in der nur noch die Reichen und Mächtigen samt Handlanger den Ton angeben, wahrscheinlich zu viel verlangt.

  • Ich finde, wir sollten das griechische Prinzip auf jeden Bürger und jede Firma übertragen.
    Jeder von uns findet seine Haushypothek zu anstrengend, man muss sich einfach zu sehr einschränken um den hohen Kredit zu bedienen.
    Darum Schuldenschnitt für alle !

  • Diese Rumrechnerei ist nur noch eine Freude am Zahlen-
    spiel! Bei einer täglichen Neuverschuldung Griechen-
    lands von 10 Millionen Euro ist die geschilderte
    Zahlenakrobatik nur noch eine Beruhigung der Gemüter,
    die sich vor der überfälligen Währungsreform des nicht
    funktionierendes Eurosystems drücken, welches sich als
    erstaunlich zählebig erweist, wobei zu hoffen ist, daß
    es früher zusammenbricht als der Vorläufer des Euro-
    systems der lat. Münzunion, zur Rettung des Deutschen
    Steuerzahlers!

  • (Die EZB ist eine Pfandbank.)

  • Wenn der Troika-Bericht nicht positiv wäre, wäre Griechenland vermutlich pleite. Dies aus zwei Gründen: Ich befürchte, das Land hat zu grosse Probleme mit Steuervermeidung der Gutbetuchten; Vetternwirtschaft; Korruption; Firmen, die Arbeitnehmerkosten senken und den Nettocashflow erhöhen, ihr Geld jedoch aus Griechenland abziehen.
    Der zweite Grund: Der IWF wird keinen teilweisen Zahlungsausfall akzeptieren, die EZB auch nicht – das wäre schliesslich Staatsfinanzierung. Die Euro-„Partner“ werden auch nicht zustimmen, insbesondere deshalb nicht, weil der IWF und die EZB nicht mitmachen.
    Die Troika könnte voraussetzen, dass Schulden bei privaten Gläubigern gestrichen werden. Warum auch nicht? Griechenland bekommt von Privaten kein Geld. Der Ruf ist ruiniert. Aber wenn meine Befürchtung zuträfe, Griechenland hätte unlösbare Probleme, könnte die Troika dem Land nicht mehr helfen. Sie hätte diese Möglichkeiten:
    * Wie bisher private Kredite durch öffentliche ablösen. Das würde jedoch unmöglich sein, weil die Troika keinem teilweisen Zahlungsausfall zustimmen würde.
    * Die privaten Kredite streichen lassen. Die Zahlungen an Griechenland weiterführen. Griechenland würde jedoch trotzdem bankrott gehen und man würde dem schlechten Geld noch gutes nachgeworfen haben.
    * Griechenland pleite gehen lassen.
    Noch eine Anmerkung: Wenn in den USA eine Firma pleite ist und jemand dem Unternehmen Geld leiht, will diese Person natürlich eine Priorität für die Rückzahlung haben. Deshalb soll die Troika eine Priorität für die Rückzahlung haben.
    Zweitens, ein Beispiel: Ich leihe gegen ein Pfand 50 Euro aus. Mein Pfand hat 100 Euro wert, aber der Kreditgeber macht einen Sicherheitsabschlag von 50% (Haircut). Jetzt bin ich ein Staat und das Pfand ist eine Staatsanleihe von mir, deren Wert sinkt. Bekomme ich dann zusätzlich Geld? Wahrscheinlich nicht.
    Kommentare zu meinem Beitrag und eine weitere Diskussion würden mich freuen.

  • Herr Höhler, ich habe die Plattitüden so satt:
    "Die Alternative wäre über kurz oder lang ein Staatsbankrott – und damit ein Totalverlust für die Gläubiger."
    Das ist doch gegen jede Vernunft! Aber das Wort "Total" scheint die nötige Spannung für Ihre Ziele zu liefern. Totalverlust, Totaler Krieg, Totaler Euro.
    Woher wissen Sie, dass es einen "Total"verlust geben wird? Beantworten Sie uns das bitte, Herr Höhler? Wenn Sie es nicht können, schreiben Sie es besser nicht. Das ist mehr als unseriös.

  • So funktioniert POLITIK.

    Phase 1: ESM ohne Grenze genehmigen und politische Absichtserklärungen einfordern, die weich sind.
    Phase 2: ESM einfordern, Mittelverwendung und Kontrollen/versicherte Rücklagen nochmals aufweichen.
    Phase 3: Den vergemeinschafteten EURO zur Finanzierung von diesem und jenem nutzen, ohne Leistung und Rücklagen erbringen zu müssen. Gewinne werden natürlich privatisiert und Verluste schön weiter der Steuerzahlergemeinschaft aufgebürdet.
    Phase 4: Blöd ist nur, der an diesem subtilen Finanzierungsspiel nicht mitmacht. Sparsamkeit wird abgestraft. Finanzierungen im Erwartungshorizont künstlich weiter geschönt. "Alte nicht funktionierende Methoden der Mitterverwendung" weiterhin genutzt: Spanien (Kunstkonjunktur in Bauindustrie); Griechenland (Aufbasen von staatl. Leistungs- und Entlohnungsprogrammen).

    Die EU hat keine wirkliche Kontolle auf nationale Regierungen. Statuten sehen es nicht vor. Es darf so weiter dramatisch auf Pump gelebt werden. Es wird mit EURO-Geldnoten aus den ESM Druckmaschinen bezahlt. Es würde micht nicht wundern, wenn in Kürze auch Null-Zinskreditvergaben möglich werden - Hauptsache Zuflüsse fließen weiter und Hauptsache vereinfachste Mittelzuweisung o h n e Einschränkungen. Der "Schein" der Kreditvergabe bleibt so weiter erhalten; auch das blumige Preisen der bisherigen harten Arbeit und des Mühens bleibt erhalten.

    Ein Aufzeigen von Wettbewerbsfähigkeit, von Werten, die sich selbst tragen - bleibt aus.

    Sparer konservativer Natur mit "Sparbuch" hilft leider nur eines - raus aus dem Euro und Investition in andere Dinge. Vollziehen es die konservativen Sparer nicht heißt es: Abwerten und Inflationsabschlag. Grund: die Scheinhaushalte und der permanente Geldzufluss in die EU-Haushalte mit kritischem Einnahmevermögen (Ausgleich durch EU-Zuflüsse).

    Warum anstrengen, wenn es einfacher geht an Geld zu kommen ?

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