Griechenland
Mehr Zeit für Athen - sonst nichts!

Die neu gewählte griechische Regierung muss handeln - ansonsten lässt der IWF die Euro-Zone am Ende mit dem Krisenland allein. Schon jetzt ist klar: Mehr als einen Aufschub wird es für die Hellenen nicht geben.
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Brüssel Die griechische Parlamentswahl ist zwar glimpflich ausgegangen, doch wer kann sich darüber schon richtig freuen? Schließlich bleiben in Athen genau jene Leute an der Macht, die das Land seit Jahrzehnten systematisch in den Ruin treiben. Das gilt ganz besonders für den Mann, der wahrscheinlich jetzt Griechenlands Premierminister wird: Antonis Samaras hat vergangenes Jahr überfällige Reformen aus parteipolitischem Kalkül heraus systematisch torpediert und die Euro-Retter so an den Rand des Wahnsinns getrieben. Dass Samaras' machtpolitische Rechnung jetzt aufgeht, ist bitter nicht nur für die Griechen selbst, sondern auch für die ganze Währungsunion. In der Vergangenheit war Samaras für die Euro-Zone nämlich kein verantwortungsbewusster politischer Partner - und das allein wirft schon Schatten auf die Zukunft.

Der Euro-Zone steht nun ein weiterer politischer Kraftakt bevor: Sie muss die Griechen ins Reformboot zurückholen, ohne zugleich den Ausstieg des IWF zu riskieren. Die neue Regierung in Athen wird natürlich jetzt wieder versuchen, ihren Geldgebern Zugeständnisse abzuringen. Das haben alle Parteien, auch die konservative Nea Dimokratia von Antonis Samaras, im Wahlkampf angekündigt. Der IWF jedoch kann kaum noch Konzessionen machen.

IWF-Chefin Christine Lagarde steht unter dem Druck der USA und der großen Schwellenländer. Sie weisen - nicht zu Unrecht - darauf hin, dass der Fonds schon viel ärmere Länder auf Reformkurs gezwungen hat als Griechenland. In der Währungsunion vergleicht man die Lage in Hellas vielleicht mit derjenigen in Portugal oder Irland. Im Weltwährungsfonds misst man das Land aber auch an Bangladesch oder Burkina Faso. Daher müssen die Europäer jetzt sehr aufpassen.

Wenn Griechenland nach zwei Parlamentswahlkämpfen und dem dadurch verursachten wirtschafts- und finanzpolitischen Stillstand immer noch nicht in die Gänge kommt, dann könnte es dem IWF zu viel werden. Die Gefahr wächst, dass sich der Fonds zurückzieht und die Euro-Zone mit dem griechischen Chaos alleinlässt. Vor allem aus deutscher Sicht wäre das ein Desaster. Denn natürlich müsste die Bundesregierung den größten Teil der Lücke füllen, die der IWF dann hinterlässt. Zum zweiten Hilfspaket für Griechenland mit einem Gesamtvolumen von 130 Milliarden Euro trägt der Fonds immerhin ein gutes Fünftel bei.

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Die Bundesregierung muss den Druck aufrechterhalten

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  • Mit dem Deutschland-Bashing haben sich die Griechen einen herben Schaden im Tourismus-Sektor beigefügt, der sich nicht so schnell reparieren läßt.

    Hellas ist seit mehr als tausend Jahren nicht mehr Hellas. Die Sagenwelt ist nicht mehr die Gegenwart.

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