Große Koalition
Das Gespenst geht um

Stimmungen sind noch keine Stimmen. Vieles spricht dafür, dass die Aufmerksamkeit, die die Linkspartei zurzeit noch auf sich lenken kann, schon bald nachlassen wird. Zu sehr haben die großen Parteien ihr das Feld der medialen Beobachtung überlassen und wie gelähmt auf das Votum des Bundespräsidenten gewartet. Nun wird Wahlkampf gemacht.

Eines hat die Linkspartei mit ihren erstaunlichen demoskopischen Umfragewerten allerdings bereits jetzt erreicht: In Berlin geht das Gespenst der großen Koalition um, und das Wort Otto Graf Lambsdorffs macht die Runde, dass große Koalitionen kleine Politik machten. Es ist deshalb auch verständlich, dass sich niemand in der Union und der SPD nach einer solchen Konstellation sehnt. Erst recht gilt dies für die kleinen Parteien, für die Grünen und die FDP, die als Erstes verlieren, wenn sich die großen zusammenschließen.

Denn das ist eines der ungewöhnlichen Merkmale dieses in der Geschichte der Bundesrepublik vielleicht ungewöhnlichsten Wahlkampfes: In allen bisherigen Urnengängen stellten sich vorher mehr oder minder fest verabredete Koalitionen zur Wahl und kämpften zum Teil in dramatischen Richtungsentscheidungen um die Gunst der Wähler.

In diesem Wahlkampf wird jedoch der Wähler wirklich das letzte Wort haben: Große Koalition, Schwarz-Gelb oder doch Rot-Rot-Grün - über die Zusammensetzung des nächsten Regierungsbündnisses wird erst am Wahlabend vollends Klarheit herrschen. Das ist neu in der Geschichte der Bundesrepublik. Bis dahin wird das Land von Demoskopen regiert. Sie werden jeden Stimmungsausschlag genauestens registrieren, um am Ende vom Wahlergebnis vielleicht umso mehr überrascht zu werden.

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