Grüne
Verglühende Leidenschaft

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Oswald Metzger hat die lange angekündigte Trennung von den Grünen vollzogen. Anders als er vielleicht selber erwartet, wird er neben Lob aus CDU und FDP und bemühter Gleichgültigkeit von der Spitze seiner früheren Partei nun auch Spott und Häme ernten. Parallelen zum Fall Pauli drängen sich einfach auf – nicht aus politischen Gründen, sondern weil Metzger wie die CSU-Landrätin mit den Latexhandschuhen erleben dürfte, wie flüchtig der Ruhm ist. Auch sein Stern könnte schnell verglühen.

Metzger bei den Grünen war eine spannende Geschichte, weil der frei redende Abgeordnete mit seinen Haushaltskenntnissen und marktwirtschaftlichen Vorstellungen gar nicht zu dem Bild passte, das die Grünen von sich gezeichnet hatten. Und weil es neben ihm eine Gruppe wirtschaftskompetenter Frauen gab, die die Bundestagsfraktion aufmischten. Schließlich war er auch einer der wenigen Zeugen dafür, dass es mal eine Annäherung zwischen Schwarz und Grün geben könnte.

In CDU oder FDP, die ihn nun umwerben, droht Metzger das Schicksal aller Hinterbänkler – falls ihm denn ein Listenplatz angeboten werden sollte. Wen interessiert ein CDU- oder FDP-Politiker mehr, der für Haushaltskonsolidierung und Ordnungspolitik argumentiert? Wie authentisch wirkt ein Politiker, der für Grün, Gelb oder Schwarz stehen kann?

Metzger ist ein tragischer Fall, weil in den Parteien neben Sachkompetenz nun mal die Fähigkeit zum erfolgreichen Schließen von Bündnissen und Intrigieren zählt. Das war nicht Metzgers Stärke, er hat fast naiv auf Argumente und mediale Wirkung gesetzt – in der Hoffnung, dass seine Partei das doch verstehen müsste. Hat sie aber nicht, und in dem Punkt wird es ihm in seiner möglichen neuen Heimat ganz ähnlich ergehen: Auch da kommen nicht unbedingt die Kompetenten nach oben.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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