Gute Konjunktur

Kommentar: Zwei Standbeine

  • Dorit Hess
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Die deutsche Wirtschaft steht wieder auf zwei Beinen. Das kann man mit Blick auf die gestern veröffentlichten Daten mit Fug und Recht behaupten. Lange galt der Außenhandel als einzige verlässliche Stütze der Wirtschaft, während die Binnennachfrage allzu oft schwach blieb. Nun halten zwei Säulen den Aufschwung in Schwung.

Nur auf den ersten Blick sieht das anders aus. Dass der Außenhandel im ersten Quartal einen negativen Wachstumsbeitrag lieferte, hat einen einleuchtenden Grund: Nachmeldungen für das Gesamtjahr 2006 hievten das Exportwachstum im Schlussquartal noch oben – und verzerren damit den aktuellen Vergleich. Etwaige Sorgen, die einstige Stütze Exportwirtschaft könnte mittelfristig zu einem Schwachpunkt werden, sind damit unbegründet.

Die einzige derzeit noch unbeantwortete Frage ist die nach dem privaten Konsum, der Wachstumsbremse Nummer eins zum Jahresstart. Dass er diese Rolle einnehmen würde, war wegen der Mehrwertsteuererhöhung zwar zu erwarten. Warum die Nachfrageausfälle aber viel größer als die Vorzieheffekte waren, ist derzeit noch unklar.

Insgesamt feiert die Binnennachfrage dennoch ein beachtliches Comeback – dank der Investitionsfreude der deutschen Unternehmer. Dass die nach dem ersten fulminanten Vierteljahr nicht nachlassen wird, deuten die Umfrageergebnisse des Ifo-Institutes an: Das Barometer bleibt unbeirrbar auf hohem Niveau.

Ob das Land langfristig von diesem Boom profitiert hängt nun auch von der Politik in Berlin ab. Es bleibt zu hoffen, dass OECD-Chefvolkswirt Jean-Philippe Cotis nicht den Tag vor dem Abend gelobt hat, als er Finanzminister Steinbrück wegen seines Sparkurses als positive „Ausnahme“ bezeichnete.

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