Haftungsklagen
In Gottes Hand

Wer in Amerika Geschäfte macht, muss starke Nerven und findige Anwälte haben. Das zeigt die Prozessflut, die wegen des inzwischen vom Markt genommenen Schmerzmittels Vioxx auf den US-Pharmahersteller Merck & Co. zurollt. Auch nach den ersten vier Urteilen – zwei zu Gunsten und zwei zu Ungunsten des Unternehmens – lässt sich kaum vorhersagen, wann und mit welchem finanziellem Schaden Merck das Kapitel abschließen kann.

Zur Erinnerung: Im Herbst 2004 zog Merck das millionenfach verordnete Schmerzmittel aus dem Verkehr, weil es bei dauerhafter Einnahme das Risiko erhöhte, einen Herzinfarkt zu erleiden. Daraufhin wurde der Konzern, der nicht mit dem gleichnamigen deutschen Pharma- und Chemiekonzern verbunden ist, mit Haftungsklagen überzogen. Tausende Patienten fordern vor US-Gerichten Schadensersatz.

Vioxx ist kein Einzelfall: Wenige Jahre zuvor geriet Lipobay, ein häufig verschriebenes Medikament des Leverkusener Bayer-Konzerns, ins Zwielicht. Obwohl das Mittel bereits 2001 vom Markt genommen wurde und Bayer sich mit vielen Klägern außergerichtlich einigen konnte, sind bis heute noch mehr als 5 000 Klagen gegen den Konzern anhängig.

Beide Mittel waren nicht nur in den USA erhältlich, sondern wurden auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern fleißig geschluckt. Auch hier wurden sie vom Markt genommen, doch eine Klageflut blieb aus. Offenbar ist das Prozessrisiko ein spezifisches Risiko des US-Marktes.

Und nicht nur Pharmafirmen sind betroffen: Die Schadensersatzklagen wegen der Verwendung Krebs erregenden Asbests am Bau, mit denen sich etwa ABB und Fresenius Medical Care herumschlagen mussten, zehrten nicht weniger an den Nerven und den Kassen. Sie waren jedoch weniger geeignet für eine emotional aufgebauschte Berichterstattung als die Medikamenten-Skandale.

Die Redewendung „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“ stammt aus Deutschland, doch sie wirkt wie auf Haftungsklagen in den USA gemünzt. Im amerikanischen Recht verläuft die Trennung zwischen Straf- und Zivilrecht bisweilen fließend, wodurch juristische Auseinandersetzungen im Allgemeinen langwieriger sind und zu überraschenden Wendungen tendieren.

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