Handel in Yen und Yuan
China und Japan lassen den Dollar links liegen

China und Japan können sich nicht ausstehen, trotzdem verzahnen sich die Märkte der beiden Wirtschaftsmächte immer weiter. Inzwischen findet der Handel in Yen und Yuan statt. Das schadet vor allem dem Dollar.
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In Weltkriegs-TV-Serien pflegt die chinesische Propaganda eine Art Erbfeindschaft zu den Japanern, die sich für ihre Gräueltaten in China nie offiziell entschuldigt haben. Noch immer liegen beide Länder im Clinch um die ressourcenreichen Diaoyu-Inseln. Vielen Japanern wiederum macht der Aufstieg des autoritären Reichs Angst. Denn längst ist Chinas Wirtschaft die attraktivste in Asien. Und es ist demütigend, nun ausgerechnet von China zu einer Regionalmacht degradiert zu werden.

Schon deshalb ist das Währungsabkommen ein historischer Schritt. Ab Freitag nehmen die beiden Volkswirtschaften den direkten Handel in ihren Landeswährungen auf. China ist Japans größter Handelspartner. Und Japan ist Chinas zweitgrößter, nach den USA. Ihr Handel hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Japanische Produkte laufen gut in China. Allein Canon legte letztes Jahr um rund 30 Prozent zu und will bis 2015 jährlich Kameras und Kopierer für zehn Milliarden US-Dollar in China absetzen. Immer mehr davon werden in China hergestellt.

Für die Japaner wiederum bedeutet die neue Regelung de facto einen Rabatt auf Made-in-China-Produkte. Durch den direkten Umtausch wird der Handel billiger und einfacher. Doch die währungsstrategische Bedeutung für China ist noch größer. Dies ist für den chinesischen Yuan ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer internationalen Handels- und Reservewährung. Die Japaner haben denn auch angekündigt, dass sie nun zum ersten Mal chinesische Staatsanleihen kaufen werden. Damit hat der zweitgrößte Gläubiger der Amerikaner eine neue Möglichkeit geschaffen, seine Reserven zu diversifizieren. Die Chinesen haben bereits japanische Yen-Anleihen im Wert von ungerechnet 25 Milliarden US-Dollar gekauft.

Fern am Horizont werden die Umrisse einer neuen Weltwährung schon sichtbar. All diese Schritte lassen Asien enger zusammenrücken. Zumal Peking in den vergangenen Tagen auch ähnliche Abkommen mit Thailand und Pakistan unterzeichnet hat. Auch mit Malaysia und Australien bestehen solche Vereinbarungen schon. Doch vor allem wird Asien durch diesen historischen Schritt unabhängiger vom Westen. Peking wischt den Amerikanern elegant eins aus, ohne für riskante Turbulenzen in den Märkten zu sorgen. Die amerikanische Regierung erkennt diesen Machtgewinn offenbar an und hat gestern darauf verzichtet, den Yuan offiziell als manipulierte Währung zu brandmarken.

Dass Japaner und Chinesen sich so schnell geeinigt haben, liegt auch am Westen. Die schwierige Wirtschaftslage in den USA und in Europa gebietet Eile. Das ist wichtig für Japans Wirtschaft, die nach wie vor mit der hohen Staatsverschuldung und den Folgen der Tsunami-Katastrophe zu kämpfen hat. Für Peking ist die Kooperation auch politisch nützlich: Die Japaner sind nun noch enger an ihren Markt gebunden.

Frank Sieren. Der Bestsellerautor ("Der China-Schock") gilt als einer der führenden Chinakenner.
Frank Sieren
Handelsblatt / Korrespondent China

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  • Huch! War das Verschmähen des USD nicht auch Grund zum "Eingreifen" im Irak und in Libyen, potentiell auch in Venezuela und im Iran? Hatten die USA nicht gegenüber Indien interveniert, als es Ölimporte auch "gegen Gold" erlauben wollte?

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