Handelsblatt Kommentar
Kommentar: Infineon mit neuem Fokus

Der Chiphersteller Infineon steht vor einem tiefen Einschnitt. Sollte die frühere Siemens-Tochter ihre Sparte Speicherchips wie geplant im Herbst an die Börse bringen, würde der größte europäische Halbleiterproduzent auf einen Schlag 40 Prozent seines Umsatzes verlieren.

jojo. Die Schrumpfkur ist für Infineon allerdings die große Chance, nach vielen enttäuschenden Jahren endlich die dringend nötigen Gewinne einzufahren.

Geht der Börsenplan auf, können sich die Münchener fortan ganz auf Logikchips konzentrieren, also auf Halbleiter für Autos, Telefone und die Industrie. Vor allem das Geschäft mit Autochips macht Infineon seit Jahren mit hohen Margen und verlässlichen Umsätzen viel Freude.

Mit dem neuen Fokus sollte der Konzern mittelfristig deutlich höhere Gewinne erzielen als bisher. Denn mit Speicherchips, den insbesondere in Computer eingebauten Drams, hat Infineon über die Jahre hinweg keinen Cent verdient. Im Gegenteil: Hohen Verlusten in den Jahren 2001 und 2002 stehen magere Gewinne in den beiden folgenden Jahren gegenüber. Auf Grund ihres großen Umsatzanteils zogen die Speicherchips dabei den ganzen Konzern nach unten.

Sicher, noch ist nichts beschlossen. Schon öfter hat Infineon die Trennung von den Speichern intern geprüft – und wieder verworfen. So auch im letzten Jahr, als wochenlang über einen Verkauf spekuliert wurde. Damals begründete Infineon sein Dram-Engagement noch mit den Synergien zwischen den verschiedenen Sparten. So wird etwa in der Autochip-Produktion und bei Halbleitern für Handys das ausgediente Equipment der Speicherchipsparte genutzt. Jetzt hat das Unternehmen offenbar ausgerechnet, dass die Zusammenarbeit der Sparten weniger nutzt, als sie kostet.

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