Handelsblatt-Renditecheck
Freundliche Treiber

Der Favoritenwechsel ist schon erstaunlich. Mit Wacker Chemie übernimmt ein Vertreter der vermeintlichen Old Economy die Top-Position im Handelsblatt-Firmencheck. Keines der führenden und an der Börse notierten Industrieunternehmen war damit 2007 rentabler als die Münchener. Nicht einmal der Dauerbrenner SAP. Es lohnt sich jedoch ein Blick in die Details.

Der Sieg Wackers sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche Rankings immer nur eine Momentaufnahme sind, manchmal auch verzerrt von Sonderkonjunkturen oder -effekten. Wacker Chemie etwa sonnt sich im Solarboom. Dass der nicht ewig andauert, ist heute schon klar.

Deshalb ist der Blick in die Details umso wichtiger. Und der sagt, dass auch Zeiten robuster Konjunktur noch lange keine Bestform der Unternehmen garantieren. Kurzum: Der scharfe Wettbewerb führt zu Preis- und Margenkämpfen trotz boomender Nachfrage. Bei den Unternehmen stimmt zwar die Umsatzentwicklung. Die geht nach oben. Doch der Cash-Flow, also die daraus erwirtschafteten freien Mittel, wächst nicht im gleichen Umfang. Das signalisiert eingeschränkte Möglichkeiten, Investitionen zu finanzieren oder Schulden zurückzuzahlen.

Von Dramatik kann jedoch keine Rede sein. Die deutschen Konzerne haben die gute Konjunktur der letzten Jahre dazu genutzt, sich fit zu machen für raue Zeiten. Mit ihren Renditen können sie meistens auch im internationalen Vergleich mithalten. Das zeigt auch das anhaltend hohe Interesse ausländischer Investoren an deutschen Unternehmen.

Umso bemerkenswerter ist daher ein zweites Ergebnis des Firmenchecks: Selbst familiendominierte Aktiengesellschaften wie Wacker und andere glänzen durch Rentabilität. Großaktionäre waren früher ein Klotz am Bein. Heute treiben sie an.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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