Haniel
Kommentar: Mehr Luft

Was steckt hinter der Ankündigung von Haniel, sich aufs Kerngeschäft zu konzentrieren? Ein Plan zur Entschuldung.
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Ist Haniel-Vorstandschef Eckhard Cordes ein Antreiber – oder ein Getriebener? Auf den Handel will Cordes das Unternehmen konzentrieren. Dieses Geschäft beherrsche man schließlich am besten. Indes: Was sich beim ehemaligen Mercedes-Lenker anhört wie eine Wiederholung der Daimler-Geschichte, ist für den Duisburger Mischkonzern alles andere als nachvollziehbar. Denn ein richtiges Kerngeschäft wie bei den Stuttgarter Autoherstellern gibt es dort nicht.

Aus gutem Grund. Ähnlich wie bei den Familien Oetker, Werhahn und Henkel folgt auch Haniel einer eisernen Maxime – und die heißt Risikostreuung. 560 Mitglieder des weitverzweigten Clans verlangen von ihrer Firma eine auskömmliche, aber mündelsichere Rendite. Alles auf eine Karte zu setzen ist den Gesellschaftern des über 250 Jahre alten Traditionsunternehmens ein Graus. Nun also eine Konzentration auf den Handel?

Aus Sicht der Gesellschafter dürfte dies eine unsinnige Einschränkung sein – zumal es zwischen den einzelnen Firmenbeteiligungen so gut wie keine Synergien gibt. Der Pharmahändler Celesio führt seine Geschäfte ebenso autonom wie der Büromöbelgroßhändler Takkt oder der Metro-Konzern. Die rund 900 konsolidierten Einzelunternehmen mit ihren 60 000 Mitarbeitern werden gerade mal von einer 80-köpfigen Holding im Duisburger Hafen geführt.

Eine konsistente Strategie lässt sich daher hinter Cordes’ Ankündigung kaum erkennen. Eher schon ein Entschuldungsplan. Denn zum Verkauf gestellt hat er mit Xella ausgerechnet das Tochterunternehmen mit der höchsten Umsatzrendite. Auch die Hygienefirma HTS, deren Verkauf derzeit geprüft wird, gehört zu den Perlen im Portfolio. Beide Verkäufe würden dem Familienkonzern wieder deutlich mehr Luft verschaffen.

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