Harald Schmidt
Kommentar: Unser Liebling

Deutschland. 23.15 Uhr. Dunkel, Leere, Verzweiflung. Es ist Januar, und das Studio 449 meldet sich nicht, weder live noch aufgezeichnet, noch sonst wie. Niemand stellt die Gerster-Uhr nach, Michel Friedman und der Maut-Automat sind nicht mehr „Liebling des Monats“.

Deutschland. 23.15 Uhr. Dunkel, Leere, Verzweiflung. Es ist Januar, und das Studio 449 meldet sich nicht, weder live noch aufgezeichnet, noch sonst wie. Niemand stellt die Gerster-Uhr nach, Michel Friedman und der Maut-Automat sind nicht mehr „Liebling des Monats“. Und keiner fragt, warum sich der Weihnachtsmann freut (er muss immer weniger schleppen, seit Rot-Grün regiert). Dirty Harry ist weg! „Powered by emotion“, wie der Sat-1-Slogan sagt? Durch unsere Emotion bestimmt nicht.

Harald, im Ernst: Das muss ein Scherz sein! Wozu brauchst Du eine Kreativpause? Die Politiker machen so was auch nicht. Und die hängen doch jeden Abend vor der Glotze, fast unter Deinem Schreibtisch („wenn ich doch nur mal in die Show könnte ...“), und zittern vor dem nächsten Gag. Und wir, die Zuschauer, wir wissen das genau, und wir genießen es so sehr.

Willst Du uns jetzt mit ihnen alleine lassen? Da werden ja die Bundestagsreden noch trüber. Renate Künast hat am 22. Mai 2003 mal eine gute gehalten, natürlich mit einem Witz von Dir, dem Bahn-Gag: „Fährst du schon, oder rechnest du noch?“ Da haben laut Protokoll alle Fraktionen gelacht, und die Bahn hat’s dann mit dem Preissystem anders gemacht.

Harald, du redest nicht nur, du bewegst was. Du bist nicht nur das Horchrohr, du bist die Polit-Hornisse mit dem scharfen Late-Night- Stachel. Deutschland braucht Dich! Wie soll denn zum Beispiel die nächste Bundestagswahl laufen? Eigentlich ist die FDP doch beim letzten Mal nur durch Deinen „Wahlomat“ über die Fünf-Prozent-Hürde katapultiert worden. Willst Du im Ernst das deutsche Mehrparteiensystem gefährden? Oder willst Du am Ende selber kandidieren und hörst deshalb auf? Kanzler Harald Schmidt jeden Abend in der Tagesschau? Na gut, das ginge auch.

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