Hedge-Fonds
Furcht und Faszination

  • 0

Wer hat Angst vor dem bösen Wolf? Wenn sich die Vertreter der größten sieben Industrienationen (G7) in dieser Woche in Washington treffen, um die große Krise an den Finanzmärkten aufzuarbeiten, dann wird sich die Debatte auch wieder um strengere Regeln für Hedge-Fonds drehen. Die spekulativen, kaum regulierten Fonds, stehen als eine Art Freibeuter der Finanzmärkte nicht erst seit den jüngsten Verwerfungen unter Generalverdacht.

Eigentlich müssten die Hedge-Fonds nach dem Siegeszug der vergangenen Jahre längst zum Establishment gehören, aber Politiker, vor allem vom europäischen Kontinent, und weite Teile der Öffentlichkeit stehen den Spekulanten nach wie vor mit einer merkwürdigen Mischung aus Furcht und Faszination gegenüber. Der oft stereotypen Diskussion würde eine Entmystifizierung sehr gut tun.

Vor dem wichtigen Treffen in Washington gibt es in dieser Hinsicht gute Nachrichten. Auch skeptische Politiker wie der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück scheinen von ihren Maximalforderungen einer wie immer gearteten staatlichen Regulierung abzurücken. Auf der anderen Seite hat eine Gruppe großer europäischer Hedge-Fonds einen Entwurf für einen freiwilligen Verhaltenskodex vorgelegt, mit überraschend progressiven Vorschlägen für Risikokontrolle und Transparenz.

Die Entwicklung geht also in die richtige Richtung. Ohne den Druck der Politik wäre die notorisch geheimnistuerische Fonds-Branche mit Sicherheit nicht bereit gewesen, mehr Offenheit zu wagen. Die ist aber dringend nötig. Die neuesten Schätzungen gehen davon aus, dass Hedge-Fonds weltweit mittlerweile ein Vermögen zwischen zwei und 2,5 Billionen Dollar kontrollieren. Wer so viel monetäre Macht in den Händen hält, muss auch mehr Verantwortung für die Stabilität des Finanzsystems übernehmen. Die Zeiten, in denen Hedge-Fonds nach Lust und Laune im Hinterzimmer der Geldwirtschaft kungeln konnten, sind endgültig vorbei. Wie groß der Nachholbedarf in Sachen Transparenz ist, zeigen einige der trivialeren Vorschläge des Verhaltenskodexes. Da wird zum Beispiel ein ordentlicher Internetauftritt gefordert, der offenlegt, wer die Hedge-Fonds managt und mit welcher Strategie sie ihr Geld verdienen. Das ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit, viele der Netzauftritte zeigen heute wenig mehr als das Firmenlogo.

Auf der anderen Seite sollten die G7-Politiker anerkennen, dass Hedge-Fonds in der modernen Finanzwirtschaft eine wichtige Rolle als Katalysator spielen, die sie nur ausfüllen können, weil sie sehr viel Freiheit genießen. Nimmt man ihnen diese Freiheit, verliert das System mehr an Flexibilität, als es an Stabilität gewinnt.

Festzuhalten bleibt, dass die aktuelle Krise an den Kapitalmärkten keine Krise der Hedge-Fonds ist. Natürlich rutschten viele der Fonds in die roten Zahlen, natürlich mussten einige aufgeben. Aber zu der fatalen Abwärtsspirale, vor der die Kritiker warnten, kam es nicht. An einigen wenigen Handelstagen verschärften Notverkäufe von Hedge-Fonds tatsächlich den Abwärtstrend an den Finanzmärkten. Aber eine Gefahr für das Gesamtsystem bestand zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil, viele Spekulanten stabilisierten die Lage sogar, weil sie kauften, als alle anderen verkaufen wollten.

Kommentare zu " Hedge-Fonds: Furcht und Faszination"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%