Hedge-Fonds
Gesunde Pleiten

Die Finanzkrise macht auch vor Superstars nicht halt. In den vergangenen Tagen mussten gleich mehrere der prominentesten und erfolgreichsten Hedge-Fonds-Manager der Welt einen Offenbarungseid leisten.

Statt der gewohnten hohen Renditen schockten die Fonds die Anleger mittlerweile mit hohen Verlusten. Am härtesten traf es vielleicht den einst als Rohstoffkönig gefeierten Amerikaner Dwight Anderson, der mit seiner Vermögensverwaltung Ospraie eine lange Erfolgsgeschichte schrieb. Nach dem wochenlangen Preisverfall an den Rohstoffmärkten musste Andersen allerdings die Notbremse ziehen und den wichtigsten seiner Fonds wegen massiver Verluste schließen.

Tief im Minus liegt auch der New Yorker Hedge-Fonds Atticus, der mit seinem spektakulären Angriff auf die Deutsche Börse Schlagzeilen gemacht hatte. Und in London musste Philip Richards den Chefposten beim Hedge-Fonds RAB aufgeben, nachdem er sich mit einer Beteiligung an der Krisenbank Northern Rock verzockt hatte.

Erleben wir im Gefolge der US-Immobilienkrise jetzt die von vielen gefürchtete große Hedge-Fondskrise? Wohl eher nicht. Zwar sorgte die Serie von Pleiten, Pech und Pannen auch an den internationalen Börsen für Unruhe, aber von einer systembedrohenden Krise zu sprechen wäre doch reichlich übertrieben. Allerdings steht jetzt die nach dem Boom der vergangenen Jahre überfällige Marktbereinigung auf dem Programm.

In diesem Jahr dürften erstmals mehr Hedge-Fonds von der Bildfläche verschwinden, als neue entstehen. Der Grund dafür ist ziemlich simpel. Viele der spekulativen Fonds können das Versprechen nicht mehr erfüllen, in jeder Marktsituation, egal ob Hausse oder Baisse, ordentliches Geld zu verdienen. Mit diesem Versprechen köderten die Fonds aber ihre Kunden, und mit diesem Versprechen rechtfertigen sie ihre hohen Gebühren.

2007 bescherten die spekulativen Fonds ihren Anlegern im Schnitt noch zweistellige Renditen. In diesem Jahr steht bis Ende Juli ein Minus von 3,5 Prozent zu Buche. Damit stehen sie zwar besser da als die Aktienbörsen, aber sie schreiben eben noch immer ein Verlust.

Ganz offensichtlich kann sich auch die Mehrheit der Hedge-Fonds den Folgen der Finanzkrise nicht entziehen. Nach dem Kursrutsch an den Börsen sind die Bewertungen vieler Unternehmen, an denen sie beteiligt sind, rapide verfallen. Außerdem wird es für die Hedge-Fonds zunehmend teuer und schwieriger, an Kredite für ihre Geschäfte zu kommen. Damit fehlt den Spekulanten das billige Geld, mit dem sie während des Booms ihre Renditen aufpeppen konnten.

In der Summe führt das dazu, dass immer mehr Hedge-Fonds aufgeben müssen, entweder weil die Verluste das Kapital aufzehren oder weil entnervte und unzufriedene Investoren ihr Geld abziehen. Trotz der aktuellen Pleitewelle in der Hedge-Fonds-Welt konzentriert sich die Aufmerksamkeit in Sachen Finanzkrise aber noch immer auf die Großbanken in Europa und den Vereinigten Staaten - und das völlig zu Recht.

Offenbar ist das Finanzsystem zumindest bislang in der Lage, die Schwierigkeiten der Hedge-Fonds zu verkraften, während die Schieflagen der Banken die Systemstabilität gefährden. Dahinter steckt eine grundlegende Asymmetrie.

Weltweit existieren Tausende Hedge-Fonds, von denen nur vergleichsweise wenige groß genug sind, um das Finanzsystem wirklich zu erschüttern. Das heißt, solange sich die Flut der Pleiten in Grenzen hält und nur viele kleine Hedge-Fonds, wenige große und noch weniger sehr große in die Pleite rutschen, gibt es keinen Grund zur Panik.

In der Welt der Banken sieht das völlig anders aus. Gefährdete Geldhäuser wie Bear Stearns sind groß genug, um die gesamte Branche in ihren Grundfesten zu erschüttern, vor allem weil die Institute durch ein engmaschiges Netzwerk miteinander verbunden sind. Nach Informationen des US-Senders CNBC hätte die Pleite von Bear Stearns das Potenzial gehabt, gleich auch noch die Finanzriesen Merrill Lynch, Lehman Brothers und Morgan Stanley mit in den Abgrund zu reißen. Kein Wunder, dass die US-Finanzaufsicht Bear Stearns nicht fallenließ, sondern den Konkurrenten JP Morgan zur Rettung durch Übernahme drängte.

Die Moral der Geschichte lautet: Im Gegensatz zur Bankenwelt funktioniert in der Welt der Hedge-Fonds die natürliche Auslese. Wer Erfolg hat, wird belohnt, wer zu viel Geld seiner Kunden verzockt, muss aus dem Markt ausscheiden. Solange dieser Prozess funktioniert, sind Hedge-Fonds-Pleiten eine gute und keine schlechte Sache.

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