Hedge-Fonds
Wenige, aber klare Regeln

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Die Diskussion über die Beaufsichtigung der Finanzmärkte ist mittlerweile fast schon so verwirrend wie die Märkte selbst. Im Zentrum der Debatte, die international gerade wieder hochkocht, stehen die Hedge-Fonds – dieses Sammelsurium innovativer Großanleger, deren gemeinsames Merkmal bisher nur ist, dass sie gerade nicht beaufsichtigt werden.

Die Diskussion hat längst eine politische Dimension. Die Regierung in Berlin drängt auf eine stärkere Aufsicht. Die Briten bremsen, die Amerikaner folgen ihnen aus Angst, ihren Vorsprung als Finanzplatz zu verlieren. Und die Hedge-Fonds würden sich offenbar am liebsten selbst beaufsichtigen. Wichtig ist, dass Berlin in diesem Interessenwirrwarr eine klare, aber pragmatische Linie verfolgt.

Soll der Staat Vorschriften machen, oder darf die Branche sich selbst regulieren? Wo ist eine direkte Aufsicht möglich, wo kann indirekt Transparenz geschaffen werden? Wie viel muss die Öffentlichkeit oder eine Behörde über einzelne Anlagestrategien überhaupt wissen? Das sind die Fragen.

Vielleicht hilft es, einige Punkte festzuhalten. Erstens: Die Finanzszene blüht immer dort, wo sie wenig beaufsichtigt wird. Deswegen ist Deutschland ein Paradies für Zertifikate – bei diesem Markt sind wir liberal. Bei Hedge-Fonds hingegen haben wir den Zug längst verpasst: Diese Branche macht vor allem London reich.

Der zweite Punkt: Niemand weiß genau, ob Hedge-Fonds die Finanzwelt sicherer oder unsicherer machen. Auf der einen Seite helfen sie, Märkte liquide zu halten und Risiken zu verteilen. Auf der anderen Seite weiß niemand, ob es zu Krisen kommen kann, bei denen zu viele von ihnen gleichzeitig aus denselben Märkten abspringen und damit das Finanzsystem aus den Fugen reißen. Der dritte Punkt: Selbstverpflichtungen können in Ausnahmefällen funktionieren, wenn jeder ein Interesse daran hat. Wenn nicht, sind sie nur ein Mittel, um staatliche Regeln zu verhindern. Hedge-Fonds haben aber keinesfalls einheitliche Interessen: Viele ihrer Strategien erfordern gar keine Geheimhaltung, für andere spielt sie eine große Rolle. Der vierte Punkt: Zu starke direkte Aufsicht über bewegliche Gebilde wie Hedge-Fonds läuft auf ein Konjunkturprogramm für die Bahamas, die Kanalinseln und ähnliche Plätze hinaus. Wenn dagegen Banken gezwungen werden, detailliert über Hedge-Fonds, mit denen sie zusammenarbeiten, zu informieren, ist das effektiver. Es bestärkt die Banken, auch im eigenen Interesse genau hinzuschauen, was mit ihrem Geld passiert.

Bindet man diese Punkte zusammen, so ergibt sich: Deutschland hat als Standort von Hedge-Fonds kaum etwas zu verlieren – die tummeln sich ohnehin woanders. Dagegen haben wir viel zu verlieren, wenn es zu einer Krise an den Finanzmärkten kommt. Berlin sollte mit seinen Forderungen nach mehr Transparenz daher hart und geduldig bleiben, sich dabei aber auf Vorgaben für die Banken, die mit Hedge-Fonds zusammenarbeiten, konzentrieren. Und schließlich: lieber wenige Regeln wirklich durchsetzen, als sich mit einem Wust von halb verbindlichen Verpflichtungen abspeisen lassen. Es kommt nicht darauf an, möglichst viele Daten zu sammeln, sondern im Krisenfall schnell Einblick zu bekommen und reagieren zu können.

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