HENKEL
Jähe Bremsung

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Das hatte sich Ulrich Lehner wohl anders gedacht: Trotz Gewinn- und Umsatzsteigerung konnten weder er noch Kasper Rorsted, dem er Ende April altersbedingt die Geschäftsführung übergibt, während der Präsentation der Bilanzzahlen so richtig lächeln. 3000 Stellen will der Konzern weltweit streichen. Was Umsatz und Mitarbeiter angeht, macht Deutschland ein Fünftel von Henkel aus. Proportional gerechnet, könnten demnach hierzulande 600 Arbeitsplätze betroffen sein.

Schwierige Marktbedingungen und steigende Rohstoffpreise werden als Gründe genannt. Auch wenn Konkurrenten wie Procter & Gamble oder Unilever aus den gleichen Motiven einen viel drastischeren Stellenabbau angekündigt haben, ist die Nachricht aus Düsseldorf eine Überraschung. Denn Henkel schien seit 2005 in ein Fahrwasser gekommen zu sein, das nur noch von Erfolgsmeldungen geprägt war.

Doch die Prognosen für 2008 waren zu optimistisch, versprach man sich doch eine Marge von zwölf Prozent vor Steuern und Zinsen. Zwar gab es Zugewinne in den Schwellenländern, dafür aber war Henkel zuletzt schwach in Nordamerika.

Ausbaden müssen es jetzt wohl die Mitarbeiter. Um die Glaubwürdigkeit Henkels nicht aufs Spiel zu setzen, wird Rorsted den Stellenabbau sozialverträglich und behutsam umsetzen müssen. Sein Berater wird Lehner bleiben.

Er hat Erfahrung mit solchen Operationen. Zu Anfang seiner Zeit an der Spitze sparte er im Jahr 2000 durch ein ähnliches Abbauprogramm 2000 Stellen ein, drei Jahre später noch einmal 2500 – still und ohne Gezänk mit der Gewerkschaft. Im Einzelfall wird der Personalabbau schmerzen. Investoren werden es aber gut finden, dass der Konzern versucht, die angepeilte Marge von zwölf Prozent nun so zu erreichen.

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