Hierarchien
Schafft die Manager ab!

Zu viele Köche verderben den Brei. Das gilt auch in Unternehmen. Immer öfter werden deshalb Firmenstrukturen verschlankt. Doch kann man ohne Chefs wirklich profitabel wirtschaften?
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Ferienzeit. Selbst der umtriebigste Chef macht Urlaub. Der Rest der Firma schnauft durch. Manch einer überzieht vielleicht mal die Mittagspause (Italiener statt Kantine), aber ansonsten arbeiten alle befreit und durchaus produktiv. Es geht auch ohne Chefs, so scheint es - zuweilen sogar schneller und besser. Das zeigen auch Beispiele von Firmen, die sich rühmen, ganz ohne Hierarchien erfolgreich zu sein. Management-Vordenker wie Gary Hamel sind überzeugt: Das Unternehmen der Zukunft funktioniert ohne Bosse, Titel und Beförderungen. Er fordert rigoros: Schafft die Manager ab!

Ein guter Chef macht sich überflüssig, heißt es ja auch. Doch die meisten Führungskräfte handeln entgegengesetzt: Sie wollen unentbehrlich sein. Um ihre Einflusssphäre auszubauen und treue Vasallen zu belohnen, haben sie in den letzten Jahrzehnten munter neue Zwischenebenen eingezogen. Die Folge: Die Bewegungsfreiheit für die Angestellten wurde immer geringer, die Frustration immer größer: In solchen Befehlspyramiden wird jede Entscheidung verschleppt. Eine mutige Idee durchsetzen? Fast ein Ding der Unmöglichkeit. Denn mindestens einer in der schier endlosen Entscheidungskette hat bestimmt Bedenken.

Den Mut, sich von diesem Wildwuchs zu befreien, haben Unternehmen meist erst, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen. General Motors will nun bei der angeschlagenen Tochter Opel die "Führungsstrukturen verschlanken und effizienter gestalten": Opel hat neun Entscheidungsebenen, sechs sind in der Branche üblich.

Auch Karstadt will mit weniger Hierarchie effizienter werden. Die kriselnde Warenhauskette hat gemerkt: Filialen mit weniger Führungsebenen wie in Schwabing oder Lörrach sind deutlich erfolgreicher. Die Folge: Rund 100 Abteilungsleiter in anderen Filialen bangen um ihre Stelle. Ganz ohne Chefs versucht es der US-Videohersteller Valve. Er rühmt sich, seit der Gründung 1996 "bossfree" zu sein. Die rund 300 Kollegen rekrutieren sich gegenseitig für wechselnde Projekte. Sie bewerten ihre Leistung gegenseitig nach dem Wert, den sie für die Firma schaffen. Über Einstellungen und Entlassungen entscheidet das Team. Dieses Arbeiten ist so anders, dass Einsteiger bis zu ein Jahr brauchen, um sich umzustellen.

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