Hildebrands Rücktritt: Hut ab, Herr Präsident!

Hildebrands Rücktritt
Hut ab, Herr Präsident!

Weil sein Ehrenwort nicht genügte, um die Ehre der Institution wieder herzustellen, tritt der Schweizer Notenbankpräsident zurück. Was Christian Wulff von Philipp Hildebrand lernen kann.
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Jetzt kennen wir den Unterschied. Den zwischen dem deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff und dem Schweizer Notenbankpräsidenten Philipp Hildebrand. Bisher ähnelten sich beide in vielem: Sie bekleiden ein unabhängiges Amt. Auf ihnen ruht die Hoffnung der Bürger in einer Wirtschaftskrise wie der aktuellen, die richtigen Worte und bei Hildebrand auch die richtigen Entscheidungen zu erkennen. Sie haben sich beide in Geschäfte begeben, die für sie günstig waren und die sie mit ihrem Amt in Konflikt gebracht haben.

Der Deutsche hat sich einen günstigen Hausbaukredit verschafft, der Schweizer hat seine Ehefrau gewähren lassen, als die eine vorteilhafte Devisenspekulation einging, die umso besser ausfiel, als der Notenbankpräsident später seine Entscheidung verkündete, den Franken an den Euro zu binden. Beide haben sich nichts zu schulden kommen lassen, wenn es nach den Buchstaben des Gesetzes geht. Seit heute Nachmittag kennen wir aber eben den Unterschied zwischen den beiden Präsidenten: Philipp Hildebrand tritt zurück, weil er nicht beweisen kann, dass er tatsächlich die Wahrheit sagt. Wulff bleibt und beschimpft die Medien.

Der entscheidende Satz von Hildebrand, der in Deutschland seinen Widerhall finden sollte, lautet: "Mein Wort reicht nicht. Und das würde meine Amtsführung in einer Zeit belasten, in der es die totale Konzentration auf das Amt braucht."

Hildebrands Amt ist es, die Wirtschaft der Schweiz durch geldpolitische Entscheidungen soweit zu stabilisieren, dass sie möglichst möglichst unbeschadet durch die Krise kommt. Dazu braucht es die totale Integrität. Die Gewissheit aller, dass dieser Mann nur seinem Land und nicht sich selber gegenüber verpflichtet ist. Dieses Gewissheit, so glaubt Hildebrand, war nachhaltig erschüttert. Die Konsequenz konnte nur der Rücktritt sein, folgert er. Hut ab für diese Entscheidung.

Wir dagegen haben einen Bundespräsidenten, von dem wir wissen, dass er seinen persönlichen Entscheidungen gerne dadurch Nachdruck verleiht, dass er die Autorität seines Amtes ins Spiel bringt. Was wir diesem Präsidenten abnehmen sollen, wenn er beispielsweise mal wieder über nimmersatte Banker predigt, kann er sich zwar denken, aber es interessiert ihn nicht. Wir sind nicht zu beneiden.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Hildebrands Rücktritt: Hut ab, Herr Präsident!"

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  • Ich habe wohl nicht richtig gelesen!
    Jetzt soll unser Bundespräsident von Herrn Hildebrand lernen, wie man richtig mit dem Vorwurf von kriminellen Insidergeschäften umgeht?

  • Respekt vor Herrn Hildebrandt, er zeigt Charakter.
    Dies würde ich mir von Wulff endlich wünschen.
    Zwischen den beiden besteht eben der Unterschied der Bildung und Wulff aht da wohl große Mängel

  • BIN GLEICH MIT DER ZEITUNG DURCH ...
    Wenn schon Ehre, dann die des Staates. Des jeweiligen!
    Müßig ist die Sorge um den Menschen Hildebrandt. Kann es doch seiner Frau jetzt im Kunsthandel aushelfen.
    Dies ist ebenfalls keine ehrrührige Beschäftigung.
    Allerdings zeigt der Vorgang internationalen Handlungsbedarf an:
    Die Überprüfung der Ehefrauen aller Notenbankchefs könnte meiner Meinung nach hier und dort aktue Magen-Darm-Beschwerden erzeugen. Nicht wahr?

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