Hochschulen
Bedrohte Arten

Die Hochschulrektoren sind wieder einmal alarmiert: Jetzt malen sie den Niedergang der „kleinen Fächer“ an die Wand. Schützend stellen sie sich vor Indogermanisten, Sinologen und Slawisten, die an so mancher Uni zu Gunsten von Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Betriebswirten gestutzt oder gar abgewickelt werden.

Klammert sich hier eine Zunft an charmante, aber anachronistische Orchideenfächer? Nein, es gibt ein Problem. Denn was für die einzelne Uni im gerade gestarteten Wettbewerb sinnvoll sein kann, nämlich das Abstoßen von Abteilungen, die nicht zum Profil passen, kann für ein Fach insgesamt zum Desaster geraten. Und zwar dann, wenn es überall unter die Räder kommt.

Ein Beispiel ist die Sinologie: Während alle Welt über die Wirtschaftsmacht China debattiert, gibt es keine deutsche Uni, die intensiv Chinakunde betreibt. Mehr als drei Professoren für dieses Fach gibt es nirgendwo. Die „Exotenfächern“ drohen einen Schatz zu verlieren, dessen Wert man vielleicht erst zu spät erkennt. Denn sollte sich etwa Iran wieder dem Westen öffnen, dann wäre auch die Iranistik wieder gefragt. Wenn es sie dann noch gibt. Deshalb ist eine „rote Liste“ für bedrohte Fächer ein erster Schritt.

Gerade weil sich der Bund aus der Hochschulpolitik zurückziehen musste, sind die Länder nun umso mehr gefordert. Sie müssen den Strukturwandel so lenken, dass keine bleibenden Schäden entstehen und die bedrohten Wissenschaften sich zugleich modernisieren. Der Bund kann gerade im Jahr der Geisteswissenschaften 2007 helfen. Ein Sonderwettbewerb etwa für Geisteswissenschaften könnte mit wenig Geld viel bewirken. Nach der Exzellenzinitiative könnte dies auch international erneut Punkte bringen. Gerade während der deutschen EU–Präsidentschaft.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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