Hugo Boss
Kommentar: Striptease

Permira gibt bei Boss das Bild der hässlichen Heuschrecke ab: Geld rausziehen und nichts für das Unternehmen tun.
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Permira versucht sich in der Modebranche, lässt dabei aber jeglichen Stil vermissen. Bei der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung von Boss am späten Dienstagabend half dem Finanzinvestor nur die Brechstange, um mit der Doppelstimme des Aufsichtsratschefs die Sonderausschüttung durchzupauken. Bereits vor einigen Wochen schmiss Vorstandschef Bruno Sälzer hin, weil er Mode machen wollte und keinen finanziellen Striptease. Eine Sonderdividende von 350 Millionen Euro und gleichzeitig eine neue Kreditlinie über 300 Millionen Euro lehnten jetzt auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat einhellig ab. Das ändert zwar nichts an der Entscheidung, bringt jedoch noch mehr Unruhe ins Unternehmen.

Aber auch das Publikum erteilte gestern schlechte Noten. An der Börse gehörte die Aktie von Hugo Boss zu den Tagesverlierern. Analysten stuften das Papier reihenweise nach unten. Dass sich Arbeitnehmer und Kapitalmarkt einig sind, ist ungewöhnlich und gerade deshalb umso beachtenswerter.

Was ist bislang bei Permira schiefgelaufen? Mit der Übernahme des Mutterkonzerns Valentino fiel dem Finanzinvestor auch Hugo Boss in die Hände, ein kerngesundes Unternehmen mit über 50 Prozent Eigenkapitalquote. Mit Boss soll der Kauf von Valentino teilweise finanziert werden. Die Eigenkapitalquote dort soll daher auf 20 Prozent gesenkt werden. Kein schwäbischer Mittelständler kann einen Sinn darin erkennen. Die Botschaft ist schlicht unvermittelbar. Permira hat zudem außer der Abmagerungskur Boss bislang nichts geboten, weder einen neuen Chef noch eine Strategie. Wenn das so weitergeht, wird der Finanzinvestor zum Paradebeispiel einer Heuschrecke – da fehlt noch mehr als der gute Stil.

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