Hypo Real Estate: Kommentar: Bärendienst für die Bankenbranche

Hypo Real Estate
Kommentar: Bärendienst für die Bankenbranche

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Es ist unfassbar! Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) muss im vierten Quartal nun doch fast 400 Millionen Euro zur Rettung von Engagments in zweitklassige US-Hypothkenkredite aufwenden Und dass, nachdem HRE-Chef Georg Funke und andere Vorstände über Wochen und Monate beteuert hatten, die Bank sei „sauber“. Nun verbrennt die Bank mit ihrer Überraschungsmeldung rund 30 Prozent oder zwei Mrd. Euro an Börsenwert und damit das Geld ihrer Aktionäre.

Da mögen Funke und Co. als „ehrbare Banker“ noch so zetern: Dieser für einen Dax-Wert bislang praktisch unverstellbare Kurseinbruch weckt Erinnerungen an die Skandale am Neuen Markt und die Mittelstandsbank IKB. Die IKB hatte im vergangenen Sommer erst beteuert, mit der US-Hypothekenkrise nichts zu tun zu haben. Nur Tage später folgte eine saftige Gewinnwarnung. Ohne eine milliardenschwere Rettungsaktion der Branche wäre die IKB in die Insolvenz gegangen.

Der für die Anlegerbeschwichtigung im Vorfeld verantwortliche IKB-Vorstand räumte damals das Feld. Auch wenn eine Insolvenz der HRE nicht im entferntesten zur Debatte steht: Im HRE-Vorstand sollte man ernsthaft darüber nachdenken, diesem Beispiel zu folgen. Denn ihre Glaubwürdigkeit wird auf Dauer schwer beschädigt bleiben.

Was sagt uns diese Volte einer bislang hoch angesehenen Münchener Bank über die in Kürze zur Veröffentlichung anstehenden Jahresabschlüsse der übrigen Banken? Stimmen die Beteuerungen von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, es werde im vierten Quartal keine weiteren Belastungen geben? Was ist mit der Commerzbank? Sie hatte gegen Jahresende 2007 weitere Abschreibungen im Schussquartal nicht gänzlich ausgeschlossen.

HRE-Chef Funke hat der Branche einen Bärendienst erwiesen. Niemand wird verbalen Beschwichtigungen von Topbankern mehr glauben, bis die Jahresabschlüsse auf dem Tisch liegen. Die Aktienkurse aller Banken stehen bis dahin unter Druck. Wollen die anderen Bankenchefs nicht tatenlos zu sehen, wie der Wert ihrer Aktien verfällt, müssen sie früher als geplant ihre Zahlen veröffentlichen. Der Kapitalmarkt muss sich also noch auf weitere überfallartige Pflichtmitteilungen einstellen.

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