Hypo Real Estate
Kommentar: Schnäppchenjäger

Wer Vertrauen verspielt, lädt Finanzinvestoren ein. Aber darin liegt auch eine Chance.
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Jahrelang ist spekuliert worden, welcher Dax-Konzern wohl als erster einen Finanzinvestor im großen Stil anlocken würde. Bisher hatten sich die großen Spieler der Branche mit eher kleinen Beteiligungen herangetastet – Blackstone zum Beispiel hat das Engagement bei der Deutschen Telekom noch nicht viel Freude bereitet.

Nun also hat es überraschend den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate erwischt: J.C. Flowers und andere Investoren nutzen die Turbulenzen der Kreditkrise und wollen sich ein knappes Viertel der Anteile zum Schnäppchenpreis sichern.

Dass es so weit kommen konnte, ist nicht nur auf die Marktturbulenzen zurückzuführen. Das Management der Hypo Real Estate hatte in der Krise viel Vertrauen verspielt. Lange Zeit beteuerte Konzernchef Georg Funke, seine Bank sei von der Subprime-Krise nicht betroffen. Umso schockierender kam dann die Nachricht von Belastungen von fast 400 Millionen Euro. Die Hypo-Real-Estate-Aktie stürzte an einem Tag um 30 Prozent in die Tiefe, zwei Milliarden Euro Börsenwert waren vernichtet. Das Vertrauen war nachhaltig erschüttert, die Aktie erholte sich kaum mehr und wurde zum Spielball von Hedge-Fonds und Zockern.

Flowers nutzte den Absturz. Die Hypo Real Estate kann den Einstieg aber auch positiv sehen. Die gebeutelte Bank bekommt erst einmal Stabilität, das Management kann sich in Ruhe neues Vertrauen erarbeiten.

Was langfristig aus der Bank wird, ist offen. Derzeit beteuern die Beteiligten, dass eine Komplettübernahme nicht geplant ist. Ob der Überraschungscoup sich für die Finanzinvestoren auszahlt, muss sich noch erweisen. Mit Negativüberraschungen ist in der Branche und bei der Hypo Real Estate jederzeit zu rechen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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