IAA
Das Auto neu erfinden

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Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag vor den Spitzen der weltweiten Autoindustrie die Autoshow IAA in Frankfurt eröffnet, wird wieder Hoffnung pur die Messehallen prägen. Wie jedes Jahr wird die Branche sich Mut zusprechen, Zeichen einer Trendwende wittern und auf neue Impulse durch neue Modelle bauen. Immerhin lassen sich die Hersteller nicht lumpen: 88 Weltpremieren auf einen Schlag hat es am Main schon lange nicht mehr gegeben.

Doch die ganz große Party-Stimmung will in Frankfurt nicht aufkommen. Denn aller Glanz von Lack und Chrom kann nicht überstrahlen, dass die Branche vor einer Zeitenwende steht, die auch die Strategien der deutschen Hersteller auf den Prüfstand stellt.

Es ist das Thema Umweltschutz und Energie, das die Spielregeln der Branche derzeit nachhaltig verändert. Plötzlich wird fast nur noch über CO2-Grenzen und die Klimakatastrophe diskutiert. Die Branche, die sich lange vor allem im Scheinwerferlicht PS-starker Boliden sonnte, muss darauf neue Antworten finden.

Niemals war deshalb eine Automesse so grün wie die in Frankfurt. Alle großen Hersteller zeigen neue Sparkonzepte und verbrauchsarme Modelle auf der funkelnden Autoshow. Doch vor allem für die deutschen Hersteller ist die Messe auch ein Fanal. Denn es sind gerade die Premiumhersteller, deren bisher erfolgreiches Geschäftsmodell durch die Klimaschutzdebatte nun infrage steht. Gründen sich Erfolg und das Image der deutschen Marken doch vor allem auf schnelle, große, komfortable Karossen, also auf Autos, die bisher auch vergleichsweise viel Treibstoff verbrauchen. Nun steht die soziale Akzeptanz dieser Karossen infrage, was an die Wurzeln der auch auf Prestige und Anerkennung basierenden Premiummarken geht.

Audi, Mercedes, BMW und Porsche stehen damit vor einer Bewährungsprobe. Sie müssen den Spagat zwischen Umweltschutz, Fahrspaß und den Interessen der Aktionäre neu justieren – und sich dabei neu erfinden. Die Premiumhersteller stehen vor der Herausforderung, die Emissionen ihrer Wagen drastisch zu senken, ohne den Markenkern, der auch sportliches Fahren umfasst, aufzugeben. Ein Kraftakt, den sich die Industrie in den nächsten Jahren Milliarden Euro kosten lässt.

Die Politik tut recht daran, den Druck auf die Industrie beizubehalten. Sie sollte allerdings nichts Unmögliches verlangen. Die EU-Kommission muss die Unterschiede in der Modellpalette anerkennen. Ein Fahrzeug der Oberklasse kann nicht so behandelt werden wie ein zweisitziges City-Car. Die Forderung der deutschen Hersteller nach einer segmentbezogenen Regelung ist daher berechtigt.

Im Veränderungsdruck steckt auch eine große Chance. Denn auf den Erfindergeist der deutschen Ingenieure war bislang stets Verlass. Auch heute gibt es in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der deutschen Hersteller längst zahlreiche Konzepte, wie mit neuen, verbrauchsarmen Motoren, Energierückgewinnung und einfachen konstruktiven Veränderungen Fortschritte bei Verbrauchsreduzierung und Minderung des Schadstoffausstoßes zu erreichen sind. Der Makel der deutschen Industrie könnte sich daher schnell in einen Wettbewerbsvorteil verwandeln.

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