IBM
Kommentar: Gefährliches Spiel

Auch jenseits aller Kapitalismusdebatten muss die Frage erlaubt sein, warum ein Konzern, der vergangenes Jahr mehr als acht Milliarden Dollar Nettogewinn erwirtschaftet hat, nun 13 000 Mitarbeitern den Stuhl vor die Tür stellt? Die banale Antwort ist: Weil IBM ein globaler Konzern ist und in Europa künftig weniger Mitarbeiter braucht und in Asien mehr. Hintergrund ist, dass in Europa und speziell in Deutschland seit vier Jahren für IBM immer weniger von dem zu holen ist, was die Wall Street von IBM einfordert: Wachstum!

Der einzige Denkfehler, der den Rotstift-Managern im fernen New York unterläuft, ist, dass IBM im Gegensatz zu Dell oder Microsoft von vielen Kunden in Europa genau wegen der starken regionalen Präsenz als „fast“ deutsches, „fast“ britisches oder „fast“ italienisches Unternehmen geschätzt wird.

Und genau davon hat IBM in der Vergangenheit stets profitiert; sei es beim Zugang zu Großkunden in nationalen Industrien, sei es bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, sei es durch die Identifikation der Mitarbeiter vor Ort.

Umso schwerer dürfte sich die nun unverholener globale IBM in der umworbenen Zielgruppe des Mittelstands tun. Es ist kein Geheimnis, dass in Großunternehmen für die IT-Konzerne die Wachstumsaussichten auf mittlere Sicht wegen Marktsättigung eher bescheiden ausfallen.

Vergleichbar größer ist das Potenzial im öffentlichen Sektor und bei Hunderttausenden von Unternehmen im Mittelstand. Doch genau die dürften vom globalen Nomadentum ihres potenziellen Dienstleisters für Geschäftsprozesse alles andere als entzückt sein. Die jetzt zu einem guten Teil im Geiste des Shareholder-Values betriebene „Optimierung der Kostenstruktur“ ist für IBM deshalb ein gefährliches Spiel.

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