Ifo-Index
Kaufen für die Konjunktur

Welch eine Überraschung: Die deutschen Unternehmen haben sich ihre Selbstsicherheit auch im Februar nicht nehmen lassen. Den wichtigsten Frühindikator der hiesigen Wirtschaft, den Ifo-Index, haben sie das zweite Mal in Folge nach oben getrieben. Trotz der schwachen US-Wirtschaft. Trotz der Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten. Trotz des starken Euros und des hohen Ölpreises.
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Welch eine positive Überraschung: Die deutschen Unternehmen lassen sich ihre Selbstsicherheit nicht nehmen. Den wichtigsten Frühindikator unserer Wirtschaft, den Ifo-Index, haben die befragten Firmenlenker im Februar das zweite Mal in Folge nach oben getrieben. Trotz der schwachen US-Wirtschaft. Trotz der Turbulenzen auf den weltweiten Finanzmärkten. Trotz des starken Euros und des hohen Ölpreises.

Das ist eine erfreuliche Nachricht. Aber eine genaue Analyse der Umfrage zeigt, dass die Konjunktur in diesem Jahr trotzdem kein Selbstläufer sein wird. Alles kommt darauf an, dass sich die deutschen Verbraucher endlich trauen, mehr auszugeben. Dazu brauchen sie Geld im Portemonnaie – und vor allem die notwendige Zuversicht in die Zukunft.

Ein genauerer Blick in die Statistik zeigt, warum 2008 tatsächlich alles am Konsum hängt. Das Ifo-Institut stellt jeweils zwei Fragen: Wie schätzen Sie Ihre aktuellen Geschäfte ein? Und welche erwarten Sie künftig? Die Antwort auf die erste Frage: Dank der fulminant ausgelasteten Kapazitäten halten die Unternehmer ihre derzeitige Situation für noch besser als im Monat zuvor. Das zeigt, wie gut die deutschen Firmen international im Rennen liegen und wie richtig und wichtig ihre Rosskur in den vergangenen Jahren war. Die Old Economy boomt, „made in Germany“ ist gefragt.

Die Antwort auf die zweite Frage aber gibt deutlich weniger Anlass zu Optimismus: Ihre Geschäfte in den kommenden sechs Monaten werden schlechter laufen, erwarten die Firmen insgesamt. Ausgerechnet in der Industrie, dem Herzstück der deutschen Wirtschaft, verschlechtern sich die Aussichten. Vor allem die Exporterwartungen sind getrübt. Das zeigt, dass die deutschen Unternehmen nicht immun sind gegen eine Abkühlung der Weltwirtschaft. Auch die in den letzten Jahren deutlich gestiegene Wettbewerbsfähigkeit ist kein Freifahrtschein zum Erfolg, wenn die internationale Nachfrage sinkt. Und das ist gegenwärtig eindeutig der Fall.

Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Der private Konsum muss einspringen. Und hierfür stehen die Chancen bisher recht gut. Denn das Klima im Einzelhandel hat sich deutlich verbessert, wie die Ifo-Umfrage zeigt. Zum ersten Mal seit elf Jahren liegt der Teilindex für diese Branche wieder im positiven Bereich. Die Einzelhändler erwarten also deutlich bessere Geschäfte.

Die Hoffnung, dass die sparverliebten Deutschen wieder mehr Geld in den Läden und weniger auf ihren Konten lassen, dürfte sich vor allem dann erfüllen, wenn sich der Arbeitsmarkt weiter positiv entwickelt. Damit dies gelingt, ist der rechte Mix in den Tarifverhandlungen notwendig. Wenn die Abschlüsse zu niedrig sind, kann der Konsum der Konjunktur nur schwache Impulse geben. Sind sie dagegen zu hoch, lässt der Stellenaufbau nach. Das hätte einen fatalen Effekt, denn die Sorge um den eigenen Job und die politische Diskussion über die hohe Arbeitslosigkeit gehören zu den wichtigsten Konsumkillern in Deutschland.

Der Tarifabschluss der westdeutschen Stahlindustrie ist mit mehr als fünf Prozent gewiss kein ausgewogener Mix: Jedenfalls lässt sich diese hohe Zahl nicht auf andere, weniger vom Erfolg verwöhnte Branchen übertragen.

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