IG Farben
Kommentar: Keine Gerechtigkeit

Es klingt wie ein schlechter Witz: Die vor dem Aus stehende WCM reißt die IG Farben in Abwicklung, Restbestand des von den Alliierten entflochtenen Konzerns, mit in den Abgrund.

Es klingt wie ein schlechter Witz: Die vor dem Aus stehende WCM reißt die IG Farben in Abwicklung, Restbestand des von den Alliierten entflochtenen Konzerns, mit in den Abgrund. Die Probleme eines erst vor wenigen Jahren zu Bedeutung gekommenen Raiders führen dazu, dass die Hoffnungen auf ein wenig späte Gerechtigkeit begraben werden müssen.

Nicht nur die wenigen noch lebenden Zwangsarbeiter hatten gehofft, die Liquidierung der IG Farben würde einen gewissen Betrag für Entschädigungszahlungen an die früheren Sklavenarbeiter erbringen. Wie kein anderes Unternehmen stand die IG für den gewissenlosen Pakt mit dem Nazi-Regime, ein Verhalten, das nicht nur zum Tod von Zehntausenden KZ-Häftlingen geführt hat, die für die IG Farben arbeiten mussten. Die IG-Farben-Tochter Degesch produzierte das Giftgas Zyklon B, das zur Judenvernichtung eingesetzt wurde. Wer unsinnige Vorwürfe gegen die früher ebenfalls an der Degesch beteiligte Degussa formuliert, übersieht, wer hauptsächlich hinter diesem Unternehmen stand.

Die IG wurde zwar entflochten, doch ihre Verantwortlichen, die unmittelbar am Betrieb der KZ und an der Vorbereitung des Angriffskrieges beteiligt waren, kamen mit äußerst milden Urteilen davon. Später versuchte die IG Farben in Auflösung gar, wieder die Hand auf alte Besitztümer in den früheren Ostgebieten zu legen. Jede Entschädigung für die Zwangsarbeiter lehnte die Gesellschaft dagegen vehement ab. So wurde sie zum beliebten Spekulationsobjekt von Anlegern ohne ethische Grundsätze.

Die zuletzt amtierenden Liquidatoren haben einen anderen Kurs eingeschlagen. Sie haben eine Stiftung zur Entschädigung gegründet. Wenn die nun fast ohne Mittel bleibt, ist es nicht ihre Schuld.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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