IG Metall
Am Prüfstein

Nun hat auch die IG Metall die große Keule ausgepackt. Mit der ersten Warnstreikwelle im Lohnkonflikt der Metall- und Elektroindustrie will sie Stärke demonstrieren.

Tatsächlich steuert sie aber auf eine Glaubwürdigkeitsfalle zu, die sich noch als ähnlich unbequem erweisen könnte wie jene Lage, in der Verdi nach knapp achtwöchigem Arbeitskampf im öffentlichen Dienst steckt. Bis zum Start der Tarifrunde 2006 hatte die IG Metall einige durchaus interessante Schritte unternommen, sich über Themen wie Innovation und Qualifizierung strategisch neu auszurichten. Damit verband sich die für Gewerkschaften nicht selbstverständliche Überlegung, dass eine Tarifpolitik zur Stärkung der Wettbewerbsposition inländischer Unternehmen den Interessen der Arbeitnehmer dient – und damit letztlich auch der eigenen Organisation.

Die Überlegung führte – unter dem Motto „Besser statt billiger“ – beispielsweise zu einer Kampagne, mit der sich die IG Metall den Betrieben aktiv als Partner bei der Entwicklung neuer Geschäftsstrategien angedient hat. Nach dem Tarifabkommen von Pforzheim im Jahr 2004, einem ersten Schritt hin zur Öffnung des Flächentarifvertrags für betriebsnähere Lösungen, nährte sie damit Erwartungen, dass auch in der Metallindustrie eine neue Phase einer stärker partnerschaftlich orientierten Tarifpolitik beginnen könnte, wie man sie aus der chemischen Industrie kennt.

Genau diese Perspektiven werden allerdings gerade zerstört, indem die IG Metall in der laufenden Lohnrunde geradezu mechanistisch die erste Eskalationsstufe zündet – und bei derselben Gelegenheit sogar bereits mit Urabstimmungen über einen unbefristeten Erzwingungsstreik droht. So agiert eine Gewerkschaft alten Typs, die Tarifpolitik nur als Kraftprobe und sich selbst als bloße Lohnmaschine versteht. So agiert eine Gewerkschaft, die der Illusion nachhängt, man könne die Herausforderungen der Globalisierung notfalls einfach wegstreiken.

Der ernüchternde Verdacht verstärkt sich, wenn die IG Metall ihre verschärfte Gangart nun allein damit begründet, dass die Arbeitgeber nach je drei regionalen Verhandlungsrunden kein konkretes Lohnangebot vorgelegt hätten. Entgegen allen Beteuerungen führt sie die Tarifrunde 2006 offenbar doch nur als ritualisierten Prestigekampf darum, wie viel sich von einer – gelinde gesagt: realitätsfernen – Fünf-Prozent-Lohnforderung durchsetzen lässt.

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