IKB
Das zweite böse Erwachen

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Hätte man das nicht vorhersehen können? Das muss man sich schon fragen, wenn sich nun herausstellt, dass das Rettungspaket für die angeschlagene Mittelstandsbank IKB nicht wie bisher angenommen 3,5 Milliarden Euro kostet, sondern schlappe 2,3 Milliarden mehr. Innerhalb weniger Monate haben sich die erwarteten Verluste, die aus der Übernahme der Risiken für die Zweckgesellschaft Rhineland Funding herrühren, fast verdoppelt. Die KfW, Großaktionärin der IKB, erhöht die Risikovorsorge entsprechend.

Ein Grund für die neuen Milliarden ist der Markt. In den vergangenen Wochen und Monaten hat er sich weitaus schlechter entwickelt als im Spätsommer angenommen. Kaum ein Investor will mehr in Zweckgesellschaften investieren – erst recht nicht in diejenigen, die die größten Negativschlagzeilen machen. Das senkt den Preis für die Anlagen, in die die Zweckgesellschaften investiert haben. Und bei bestimmten Limits sind die Zweckgesellschaften zum Verkauf gezwungen – und realisieren damit Verluste. Die Details dieser Abläufe sind aber auch erst in den Wochen nach der IKB-Rettung bekanntgeworden.

Wenn es aber Monate dauert, um überhaupt zu wissen, über wie viel Milliarden an Risiken man überhaupt spricht, zeigt das, dass die Konstruktionen rund um die Zweckgesellschaften noch komplexer sind als bislang angenommen. Man kann nur hoffen, dass es nicht auch bei anderen Banken ein zweites böses Erwachen gibt. Zum anderen aber ist die gestrige Nachricht eine Hiobsbotschaft für den Verkauf der IKB. Seit Tagen halten sich Gerüchte über einen zusätzlichen Kapitalbedarf der Mittelstandsbank. Solange nicht glasklar ist, dass keine weiteren Risiken über Nacht aufpoppen, wird kein Käufer einen vernünftigen Preis für die IKB zahlen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland

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