IKB
Die Katze im Sack

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Der englische Dichter George Herbert hat bereits im 16. Jahrhundert gesagt: „Ein Käufer braucht hundert Augen, der Verkäufer nicht eines.“ Im Fall der schwer angeschlagenen Mittelstandsbank IKB hat Herbert zumindest für die Käuferseite auch heute noch recht. Selten hat es einen Fall gegeben, bei dem während des Verkaufs so vieles unklar war – angefangen bei so elementaren Dingen wie dem Anteil, der zum Verkauf steht.

Mittlerweile hat die staatliche KfW ihren Anteil an der IKB auf 43,4 Prozent aufgestockt. Doch mit der für Ende März geplanten Eigenkapitalerhöhung um bis zu 1,48 Milliarden Euro könnte sich der Anteil der KfW auf gut 90 Prozent erhöhen: wenn die anderen Altaktionäre ihr Bezugsrecht nicht in Anspruch nehmen. Die Staatsbank muss zeichnen. Unklar ist auch noch, wie viel von ihrem Gewinn die IKB künftig für eine weitere Kapitaleinlage der KfW von 600 Millionen Euro über einen Besserungsschein an die staatseigene Förderbank abtreten muss. Für die Verkaufsverhandlungen ist das eine nicht unwichtige Information.

Drittens müssen die Interessenten eine Tücke der Rechnungslegung im Auge haben. Da die Verbindlichkeiten der IKB an andere Institute für dieses Jahr mit niedrigeren Marktwerten angenommen werden, entlastet dies den erwarteten Verlust. Umgekehrt heißt das: Geht es der Bank in der Zukunft besser, belastet der Rück-Bewertungseffekt den Gewinn der Bank. Auch wenn die jüngste Rettung die IKB stabilisiert hat – die Konditionen für den Verkauf hat sie nicht unbedingt vereinfacht. Kein Wunder also, dass die KfW den Interessenten erst einmal ein wenig mehr Zeit für ihre ersten unverbindlichen Angebote eingeräumt hat, um diese Gemengelage zu durchschauen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland

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