IKB
Sanierer gesucht

  • 0

Was tun mit einer Bank, die zum Fass ohne Boden zu werden scheint? Keine vier Monate ist es her, dass die Mittelstandsbank IKB mit 3,5 Milliarden Euro gerettet werden musste. Und schon reicht das Geld nicht mehr. Dass nachgeschossen werden muss, steht außer Frage. Aber wer tut es? Und wie? Und mit welchem langfristigem Ziel für die IKB? Wie dramatisch die Situation ist, zeigt schon die Marktkapitalisierung der Bank: Von mehr als 2,2 Milliarden Euro vor der Krise ist sie auf nur noch rund 750 Millionen Euro abgestürzt.

Klar ist, dass die IKB verkauft wird. Die staatseigene Förderbank KfW, die derzeit mit knapp 38 Prozent der größte Einzelaktionär ist, hat die Investmentbank Merrill Lynch bereits mit der Suche nach potenziellen Interessenten beauftragt. Das ist richtig, denn die Beteiligung an einer börsennotierten Bank macht ordnungspolitisch keinen Sinn für eine Förderbank. Das war auch schon 2001 so, als die KfW Großaktionärin wurde. Aber damals hatte die Politik in Berlin Angst, dass das Aktienpaket, das zum Verkauf stand, von kurzfristigen Investoren zur Zerschlagung der Mittelstandsbank gekauft werden könnte. So wird für den Verkauf auch jetzt nur ein Investor infrage kommen, der ein langfristiges Interesse an der IKB hat – ob aus dem In- oder Ausland. Sonst wäre das ganze Debakel erst recht vergeblich gewesen.

Für einen Käufer ist es allerdings interessanter, die Mehrheit an der IKB zu übernehmen als nur die 37,8 Prozent der KfW. Dieser Aspekt könnte nun bei der Suche nach einer Lösung für die zweite Rettung der Bank eine Rolle spielen. Auf bis zu 500 Millionen Euro wird der erneute Kapitalbedarf der IKB geschätzt. Im Zweifel wird man sich für eine Summe mit etwas Puffer entscheiden, denn eine dritte Rettung der Bank könnte niemand mehr öffentlich vertreten. Zur Wahl steht einerseits, dass KfW und Bankenbranche zusammen ihre Risikoabschirmung weiter hochsetzen. Doch einige Banken wenden zu Recht ein, dass anders als im Sommer nicht mehr nur die IKB unter der Finanzkrise leidet, sondern auch zahlreiche andere Banken. Deshalb seien nun vor allem die Aktionäre der IKB gefordert, die über eine Kapitalerhöhung neues Geld zuschießen oder mit der Verwässerung ihrer Anteile leben sollen.

Diese letzte Variante könnte den Charme haben, dass sich die KfW über eine solche Kapitalerhöhung die absolute Mehrheit an der IKB sichert und sie dann als Paket verkaufen kann. Gegebenenfalls gemeinsam mit dem drittgrößten Aktionär, der Privatbank Sal. Oppenheim, die ihren Anteil auf fünf Prozent aufgestockt hat.Der mit knapp zwölf Prozent derzeit zweitgrößte Aktionär nach der KfW, die Stiftung Industrieforschung, die Forschungsprojekte und Stipendien aus der Dividende ihres Aktienbesitzes zahlt, wird sich nicht an einer Kapitalerhöhung beteiligen können. So viel steht fest. Und auch andere Aktionäre dürften abwinken. Das würde den Anteil der KfW steigern.

Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Zum einen rückt die KfW an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Und auch sie hat recht, wenn sie argumentiert, dass letztlich börsennotierte Banken von einer Stabilisierung des Finanzmarktes durch die Rettung der IKB im Sommer noch stärker profitiert haben als die KfW selbst. Die 2,3 Milliarden Euro an zusätzlicher Risikovorsorge, die die KfW gestern bekanntgab, rühren aber aus just jener Rettungsaktion, deren Folgen und volles Ausmaß an dem dramatischen Wochenende Ende Juli noch nicht ganz zu überblicken waren.

Zum anderen schauen die EU-Wettbewerbshüter mit Argusaugen auf die Rettung einer börsennotierten Bank, die zum größten Teil von einer deutschen Staatsbank geleistet wird. Je höher der Anteil der KfW bei der Rettung ausfällt, desto größer könnte die Skepsis werden. Andererseits: Sollte Brüssel wie im Fall der Landesbank Berlin zum Ausgleich für die Genehmigung einen Verkauf der IKB fordern, wäre dies ja nur das, was ohnehin alle planen.

Derzeit spricht vieles, nicht zuletzt der Einsatz von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dafür, dass sich die deutschen Banken letztlich doch noch zu einer kleineren Beteiligung am Rettungspaket für die IKB entscheiden – es hat jetzt schon ein Volumen von 5,8 Milliarden Euro erreicht. So könnte die KfW etwas entlastet und Brüssel beruhigt werden. Im kommenden Jahr dürfte die dann hoffentlich sanierte IKB einen neuen Eigentümer finden, dem an den langfristigen Beziehungen zu den Firmenkunden gelegen ist. Wichtig für den Verkaufsprozess ist allerdings, dass dafür kein festes Zeitlimit gesetzt wird, wie dies jetzt einige Abgeordnete in Berlin fordern. Aktionismus würde die Verhandlungen nur erschweren.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland

Kommentare zu " IKB: Sanierer gesucht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%