Immobilienfonds
Vertrauen verspielt

Immobilienfonds galten vor der Krise gemeinhin als sichere Anlage. Nun werden die Papiere zum begehrten Kaufobjekt für Schnäppchenjäger. Weil jetzt auch der milliardenschwere Degi Europa überraschend aufgelöst wird, schwindet das Vertrauen in die Fondsmanager. Ein Kommentar von Reiner Reichel.
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An offenen Immobilienfonds interessierte Schnäppchenjäger lachen sich ins Fäustchen. Mit Ihrer Informationspolitik haben Aberdeen, Verwalter des Degi Europa, und Morgan Stanley, für den P2 Value verantwortlich, ihnen in die Karten gespielt. Seit Wochen versichern beide Fondsanbieter, sie würden Gebäude verkaufen und damit ihre Kassen soweit füllen, dass sie die Fonds rechtzeitig zu Ende Oktober für Anteilsrückgaben öffnen können.

Heute kam der Knall: Der 1,3 Mrd. Euro schwere Degi Europa wird aufgelöst. Auffällig ist, dass bereits gestern Nachmittag der Kurs für den Degi Europa kräftig nachgab, sich heute im Laufe des Tages wieder erholte. Büßen werden für diese Informationspolitik die anderen eingefrorenen Fonds, deren Volumen noch rund 22 Mrd. Euro beträgt und hinter denen Hunderttausende Anleger stehen. Wer wird den Versicherungen deren Fondsmanager noch glauben, dass sie schnellstmöglich wieder Anteile gegen Geld tauschen wollen, wenn die nächsten Öffnungstermine anstehen. Je näher Entscheidungstermine rücken, desto höher werden die Umsätze steigen und die Abschläge auf den Nettovermögenswert.

Öffnet der Fonds, machen die Spekulanten Kasse durch Rückgabe an die Gesellschaften Kasse. Hätte der Degi Europa geöffnet, hätten einige in wenigen Tagen 40 Prozent Gewinn gemacht. Wer Anteile im Wert von 48 Euro für 28 Euro an der Börse kauft und weiß, dass dem nach unmittelbar bevorstehenden Immobilienverkäufen 20 Euro risikolos angelegtes Geld gegenüberstehen, ist kein großes Risiko eingegangen. Dass die bereits abgewerteten Immobilien beim Verkauf so wenig erlösen, dass der Anteilspreis in Richtung 28 Euro fällt, ist unwahrscheinlich. Die Verlierer sind die, die Immobilienfondsanteile einmal als Witwen-und-Waisen-Papier gekauft haben, jetzt verkaufen müssen und feststellen, dass daraus Zockertitel geworden sind.

Kommentare zu " Immobilienfonds: Vertrauen verspielt"

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  • Eine bittere Wahrheit, aber durch Wegschauen geht es nicht weg:

    Wir sind inzwischen alle Spekulanten. Nichts ist mehr sicher im Leben. Nur wenige haben das begriffen.

    Wer bisher dachte, daß er sein Geld "sicher" anlegt, der wurde in den letzten Jahren ganz stark enttäuscht. Wer denkt, daß er sich nicht um wirtschaftliche Zusammenhänge zu interessieren braucht, der wird von denen ausgenommen, die sich damit auskennen.

    Geldmarktfonds? in der Finanzkrise kam raus, daß viele davon in 'Asset backed Securities' angelegt hatten. Teilweise Verluste von 80%.

    immobilienfonds? "immobilien sind Sachwerte, das war schon immer sicher und wird immer sicher bleiben" mögen sich viele Anleger gedacht haben.

    Lebensversicherungen? Falls wir jetzt massive inflation kriegen, dann kann man die ins Altpapier geben.

    Gold? Mal schauen, wann die blase platzt. Starker Hinweis auf eine blase: Es tummeln sich auf dem Gebiet schon seit Monaten die betrüger, die unbedarfte, vor Angst schlotternde Kleinanleger regelrecht ausnehmen (mit zweifelhaften "Goldmedaillen", "Zertifikaten", "Goldexplorationsfonds", teilweise komplett gefälschten Goldmünzen oder -barren aus Wolfram)

    Fester Job bei einem Großkonzern? Man muß damit rechnen, jederzeit entlassen zu werden. Wer sich z.b. für ein Eigenheim massiv verschuldet, in der Hoffnung daß er noch in 20 Jahren bei der gleichen Firma fest angestellt sein wird und so seine Raten zahlen kann, geht damit ein unerhörtes Risiko ein. So ein Lebensentwurf ist in Wirklichkeit hochriskante Spekulation mit der realen Möglichkeit des Totalverlustes. Daß man sein Häuschen auf der grünen Wiese tatsächlich verkauft kriegt wenns hart auf hart kommt, steht auch in den Sternen.

  • Wer spekuliert, muß auch mit dem Totalverlust seiner Einlagen rechnen!
    Sonst ist es ja keine Spekulation.

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