Industrie
Innovative Japaner

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Die Japaner machen es den Deutschen wieder einmal vor. Für den Autohersteller Toyota werden menschenähnliche Roboter zu einem neuen Kerngeschäft. Während die Ostasiaten unbefangen eine neue Technik bis zur Marktreife vorantreiben, droht Deutschland zurückzubleiben. Wenn in zwanzig Jahren die Überalterung der Gesellschaft riesigen Bedarf für mechanische Helfer in den Industriestaaten schafft, werden wir möglicherweise Hunderttausende von Robotern von Japan kaufen müssen.

Das erinnert fatal an den Niedergang eines anderen Wirtschaftszweigs: Die Deutschen bauen heute so gut wie keine Fernseher mehr und müssen fast alle Geräte aus Fernost beziehen. Dabei hatte Deutschland hier einen ungeheuren Vorsprung. In den 30er-Jahren fanden in Berlin die ersten TV-Übertragungen statt. Mit Nordmende oder Telefunken verfügte das Land über starke Marken. Der Chemiekonzern Merck sah als Erster das Potenzial seiner Flüssigkristalle für die Anwendung in Flachbildschirmen. Doch niemand glaubte an die Zukunft des Produkts. Keiner traute sich in Deutschland, in die Entwicklung des LCD-Fernsehers zur Serienreife zu investieren.

Deutschland verfügt auch als einer der größten Exporteure von Maschinen über reichlich Know-how für Roboter. Noch heute kommt ein guter Teil der weltweit verwendeten Patente für künstliche Intelligenz aus Deutschland. Doch wie so oft dominieren in Deutschland Zweifel. Dass nun gerade Toyota unerschrocken sogar an früheren Roboter-Pionieren wie Honda oder Sony vorbeizieht, zeigt: Der Autokonzern ist nicht nur unter den Autoherstellern innovativ. Er ist ebenso bereit, richtig Geld in die Hand zu nehmen, wenn ein neuer Markt einmal erkannt ist. In Deutschland fehlt dazu der Mut.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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