Industrieforschung
Das geteilte Land

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Der aktuelle Bericht des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft über die Entwicklung der Industrieforschung beschreibt ein doppeltes Dilemma: Die Ausgaben der Wirtschaft für Forschung und Entwicklung konzentrieren sich immer mehr auf wenige Regionen vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Noch bedenklicher ist, dass Industrieforschung in Deutschland vor allem in alten Technologien von der Automobilindustrie über die Elektrotechnik bis zum Maschinenbau stattfindet, deren Standorte sich im Süden der Republik konzentrieren. Damit ist der Innovationsstandort Deutschland weiterhin vor allem in Technologiefeldern führend, die ihr größtes Wachstum hinter sich haben, auch wenn sie heute noch von herausragender Bedeutung für die Wirtschaft sind. Zukunftsbranchen wie die Informationstechnologie oder die Biotechnologie kommen zu kurz. Die Boston-Consulting-Group (BCG) kam Anfang dieses Jahres bei einer Auswertung von 700 000 Patenten zu nahezu den gleichen Ergebnissen. Die Bundesregierung bestätigt diesen Befund seit Jahren in ihren regelmäßig aktualisierten Bundesbericht-Forschung.

Gleichwohl folgt die öffentliche Forschungsförderung noch immer einer Art Gießkannenprinzip. So fließen staatliche Mittel der von Bund und Ländern in rund 130 verschiedene Technologiecluster, von denen nach der Analyse der BCG zwanzig überlebensfähig sind. Es wird also nicht reichen, die öffentliche Forschungsförderung weiter zu erhöhen und dabei „Leuchtturmprojekte“ und den Mittelstand stärker zu berücksichtigen. Nötig ist die Konzentration auf neue Technologien und viel versprechende Standorte in den forschungsschwachen Regionen. Mit Bayern und Baden-Württemberg allein und noch mehr öffentlicher Kofinanzierung ohnehin starker Branchen wird der Forschungsstandort Deutschland die Zukunft nicht meistern.

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