Industriekonzerne
Götterdämmerung bei Thyssen-Krupp

Für Thyssen-Krupp ist „der Hügel“ in Essen ein mythischer Ort. Dort regiert als schon verklärte Gestalt einer Epoche aus Eisen und Stahl Berthold Beitz, der inzwischen 95 Jahre alte Gralshüter des Krupp'schen Erbes. Ihm zur Seite stehen die Barone von Deutschlands mit Abstand größtem Stahlkonzern, allen voran Ekkehard Schulz, der auch schon in die Jahre gekommene Vormann aus dem Haus Thyssen.

Für Thyssen-Krupp ist "der Hügel" in Essen ein mythischer Ort. Dort regiert als schon verklärte Gestalt einer Epoche aus Eisen und Stahl Berthold Beitz, der inzwischen 95 Jahre alte Gralshüter des Krupp'schen Erbes. Ihm zur Seite stehen die Barone von Deutschlands mit Abstand größtem Stahlkonzern, allen voran Ekkehard Schulz, der auch schon in die Jahre gekommene Vormann aus dem Haus Thyssen.

Lange wird das nicht mehr so sein, Götterdämmerung ist angesagt. Denn der am Donnerstag verkündete Konzernumbau samt der damit verbundenen Entlassung dreier Vorstandsmitglieder ist eine Revolution von oben.

Es ist erst wenige Wochen her, da hat Vorstandschef Schulz das, was im Hause und der Welt vor sich ging, zum beherrschbaren Geschehen erklärt und gemeint, er selbst habe schon ganz andere Dinge erlebt. Mag Schulz die Stahlkrise Anfang der 90er-Jahre auch persönlich als einschneidendes Erlebnis erinnern, der lockere Umgang mit der aufziehenden Notlage des Konzerns spiegelt die Überheblichkeit wider, die das Verhalten der Konzernführung bis zuletzt geprägt hat.

Natürlich ist es schwer, nach Jahren bester Geschäfte von heute auf morgen auf Energiesparmodus umzuschalten. Dennoch, die Führung hat im Gegensatz zu der Konkurrenz viel zu lange auf Wachstum gesetzt. Die Stahlwerke in Brasilien und Alabama, opulent geplant und viel zu spät gebaut, wurden zum Milliardengrab, weil Thyssen-Krupp entgegen allen Warnungen auf eigene Managementkapazitäten setzte. So sind Schulz und Kollegen Opfer der eigenen Wachstumsstrategie geworden.

Zuletzt ist so viel schiefgelaufen, dass es ohne personelle Konsequenzen nicht mehr ging. Die Lösung ist ein dreifaches Bauernopfer, mit Stahlchef Köhler geht zwar einer der Hauptverantwortlichen für das Brasilien-Desaster, aber natürlich ist auch das Chefsache gewesen. Nur, einen solchen unehrenhaften Abgang hat man Schulz wie seinem Übervater auf dem Hügel ersparen wollen.

Fakt ist, dass die Stahlbarone abdanken. Schulz ist der Letzte seiner Art bei Thyssen-Krupp. So zeichnet sich eine neue Ära ab, mit einem Konzern auf nur noch zwei Säulen und von Managern geführt, die ihr Geschäft in ganz anderen Metiers erlernt haben.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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