Infineon
Kommentar: Gute Perspektive

Wolfgang Ziebart macht Ernst mit der Zerschlagung des Münchener Chipherstellers Infineon. Wenn Aufsichtsrat und Hauptversammlung den Vorstellungen des Infineon-Chefs folgen, wird sich der Manager kommendes Frühjahr von seinem stark schwankenden Speicherchipgeschäft trennen.

Der Schritt ist längst überfällig, denn in der derzeitigen Form hat Infineon keine Zukunft. In den vergangenen Jahren hat die frühere Siemens-Tochter meist tiefrote Zahlen geschrieben. Selbst im Rekordjahr 2004, als die Umsätze der Branche um ein Viertel kletterten, musste sich Europas zweitgrößter Halbleiterproduzent mit einem mageren Gewinn begnügen.

Durch die Aufspaltung bieten sich künftig für beide Teile neue Chancen. Im Konzern verbleibt das lukrative Geschäft mit Halbleitern für die Telekommunikation, für Autobauer und die Industrie, das für rund 60 Prozent der Umsätze steht. Hier gibt es für Infineon enorme Wachstumsmöglichkeiten und gute Gewinnaussichten in einem vergleichsweise stabilen Umfeld. Damit sollte es möglich sein, am Kapitalmarkt genügend Geld für die weitere Expansion zu bekommen.

Auch der bisher so verlustreiche Speicherbereich hat eine Zukunft. Denn mit Micron und Hynix existieren am Markt bereits Firmen, die sich nur auf Speicher konzentriert haben und die zuletzt deutlich besser abgeschnitten haben als Infineon. Auf eigenen Beinen und damit von den Fesseln eines Konzerns befreit, sehen die Aussichten für das Speicherchipgeschäft in jedem Fall besser aus als bisher.

Analysten fordern seit Jahren die Aufspaltung. Jetzt steht sie unmittelbar bevor. Für Aktionäre und Mitarbeiter ist sie die letzte Chance. Ansonsten geht Infineon angesichts der hohen Verluste in absehbarer Zeit das Geld aus.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%