Infrastruktur
Träge Politik

Eine marode Infrastruktur kostet Entwicklungspotenziale und wird zur Wachstumsbremse. Die Politik hat das zwar begriffen. Doch sie nähert sich dem Thema nur halbherzig.
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Die Bedeutung einer funktionierenden Infrastruktur wird regelmäßig unterschätzt. Irgendwie schafft es der Strom ja doch immer noch bis zur Steckdose und der LKW bis zum Werkstor. Doch längst knirscht es an allen Ecken und Kanten: Die Staus werden länger, das Stromnetz gerät an die Belastungsgrenzen, und ein Breitband-Internetanschluss ist in der Provinz längst keine Selbstverständlichkeit. Dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) gebührt Lob für seine Bemühungen, den Blick auf die wachsenden Probleme der Verkehrs-, Energie- und Telekommunikationsinfrastruktur zu lenken. Ob die Wirtschaft einen Kurswechsel bewirken kann, erscheint aber leider fraglich.

Beim Blick auf die Straßen werden die Missstände besonders deutlich:Seit den 90er-Jahren wird für Bundesstraßen und Autobahnen zu wenig Geld bereitgestellt. Gleichzeitig wächst das Verkehrsaufkommen von Jahr zu Jahr rascher als prognostiziert. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine immer größer werdende Lücke. Doch nicht nur die Straßen sind betroffen. In den Seehäfen stapeln sich Container, die nicht pünktlich weiter transportiert werden können, das Schienennetz ist mit „Langsamfahrstellen“ gespickt, die sich zum Nadelöhr komplexer Logistikketten entwickelt haben.

Eine marode Infrastruktur kostet Entwicklungspotenziale und wird zur Wachstumsbremse. Gerade im Verkehrssektor ist ein Gegensteuern nicht billig. Viele Milliarden sind erforderlich, um die längst lokalisierten Schwachstellen zu beseitigen. Die Politik hat das zwar begriffen. Doch sie nähert sich dem Thema nur halbherzig. Der Grund ist klar: Gerade die Verkehrsinfrastruktur ist ein träger Tanker. Die segensreiche Wirkung von Investitionen entfaltet sich erst langfristig. Das Thema verspricht daher nur geringen politischen Ertrag. Volkswirtschaftlich ist das eine Katastrophe.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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