Ingenieurmangel

Mitten im Schweinezyklus

Technische Genies fallen nicht vom Himmel, werden nicht vom Staat frei Werk geliefert und bewerben sich auch nicht demütig bei der Personalabteilung um ein Praktikum.
  • Roland Tichy

Menschen müssen gefördert werden und sind das Wertvollste in einem Unternehmen. Denn wenn jetzt die deutsche Wirtschaft über Ingenieurmangel klagt, offenbart das auch ein hohes Maß an Selbstverschulden: Während der industrielle Mittelstand beständig eingestellt hat, wurde insbesondere in der Großindustrie Ingenieuren in Massen gekündigt. Diese Aktion Rotstift zeitigt doppelte Wirkung: Jetzt fehlen diese Fachkräfte – und die Jugendlichen haben daraus den Schluss gezogen, dass ein Ingenieurstudium sich nicht lohnt. In der Theorie ist dieser Zusammenhang als Schweinezyklus bekannt – extremes Überangebot und extreme Knappheit folgen aufeinander.

Vielleicht sollten sich die Unternehmen auf einige Techniken und Tugenden zurückbesinnen: Ständige Fortbildung der Mitarbeiter ist kein Sozialklimbim, sondern verhindert, dass bei technologischen Sprüngen Erwerbs- und Erfahrungsbiografien ihren Wert verlieren. Langfristig planende Personalpolitik und Stammbelegschaften sind nicht nur ein Kostenblock, sondern auch ein Erfolgsfaktor im Aufschwung

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Und: Gerade die deutschen Unternehmen müssen sich öffnen. Im internationalen Vergleich gibt es viel zu wenige Frauen in den Labors – auch, weil die Arbeitsbedingungen keinerlei Rücksicht auf deren Bedürfnisse etwa in der Familienphase nehmen. Die Generation Praktikum ist kein akademisches Lumpenproletariat, sondern die entscheidende Ressource für Wachstum und Erfolg. Und schließlich: Qualifizierte Zuwanderer nehmen uns keine Arbeitsplätze weg, sondern schaffen welche.

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